Verheerende Waldbrände
„Es ist überall die Hölle“

Das halbe Land in Flammen, mindestens 57 Tote, tausende Menschen in panischer Flucht vor riesigen Feuerwalzen: Das ist die bittere Bilanz von Behörden und Feuerwehr nach tagelang außer Kontrolle wütenden Waldbränden in Griechenland.

HB ATHEN. „Das ist definitiv eine beispiellose Katastrophe“, sagte Feuerwehrchef Nikos Diamandis am Sonntag. Auf dem Peloponnes trieb starker Wind die Flammen in Richtung der antiken Kultstätten von Olympia.

„Der Wind ist so stark, dass ich nicht weiß, ob das automatische Sprinklersystem die Flammen aufhalten kann“, sagte der stellvertretende Bürgermeister Olympias, Konstantinos Sofianos. Das Feuer sei noch 100 Meter von den antiken Anlagen entfernt. In einem Dorf in der Umgebung, Platanos, fanden Einsatzkräfte die Leiche einer Frau. Auf der Insel Evia (Euböa) kamen bei einem neuen Feuer fünf Menschen ums Leben, teilte die Feuerwehr mit.

Im Abwehrkampf gegen die von Starkwindböen angefachten Bränden konzentrierte sich die Feuerwehr auf den Schutz von Siedlungen und historischer Stätten. Waldbrände tobten über den Peloponnes hinaus im Norden, auf der Insel Evia (Euböa) und der bis Sonntag verschont gebliebenen mittleren Region Fthiotida. Die Feuerwehr sprach von 42 großen Feuerfronten. Die Regierung verhängte den landesweiten Notstand.

Kulturminister Georgios Voulgarakis begab sich nach Olympia, um persönlich den Kampf gegen die Flammen zu koordinieren, teilte sein Ministerium mit. „Es gibt eine riesige Mobilisierung im Gebiet des antiken Olympias“, hieß es in einer Mitteilung. Soldaten seien dabei, eine Feuerschneise zu schlagen, und das automatische Sprinkleranlage sei aktiviert worden. Die Polizei sperrte die Zufahrtstraßen vom Ort Olympia zu den Kultstätten ab. Menschen flohen in Panik aus Dörfern, Touristen aus ihren Hotels in der Umgebung. Das Sprinklersystem schien nicht überall zu funktionieren.

Die Hoffnung auf ein dauerhaftes Nachlassen des Windes erfüllte sich nicht. Nach einem Nachlassen am Vormittag wurden die Böen im Laufe des Tages wieder stärker. „Unglücklicherweise hat es die Erleichterung, auf die wir hofften, nicht gegeben“, sagte Diamandis. Aus dem Dorf Kolyri bei Olympia fliehende Einwohner waren völlig demoralisiert. „Es ist überall die Hölle“, sagte der 47-jährige Konstantinos Ladas.

Auf drei Kilometer rückten die Flammen derweil an einen 2 500 Jahre alten Apollon-Tempel in Andritsaina im Südwesten des Peloponnes heran, wie Bürgermeister Tryphon Athanassopoulos dem Fernsehsender NET berichtete.

Die meisten Opfer - mindestens 39 - waren auf dem westlichen Peloponnes bei der Ortschaft Zacharo zu beklagen, wo mehrere Menschen auf der Flucht vor den Flammen in ihren Autos verbrannten. In dem Dorf Makistos wurden zehn Leichen gefunden, darunter die einer Mutter mit ihren vier Kindern in den Armen. Landesweit kamen nach Regierungsangaben 51 Menschen ums Leben.

Mindestens zwölf Länder sagten den Griechen Hilfe zu, Deutschland wollte drei Hubschrauber schicken. Außenministerin Dora Bakoyannis teilte mit, insgesamt kämen aus dem Ausland 31 Löschflugzeuge.

Ministerpräsident Karamanlis sagte, er fühle Trauer und Wut. „Wenn so viele Feuer gleichzeitig in so vielen Teilen des Landes ausbrechen, kann das kein Zufall sein“, sagte er in einer Fernsehansprache. Die Polizei nahm einen 65-jährigen Mann fest, der in den Brand in der Ortschaft Areopolis verwickelt sein soll. In Kavala im Norden des Landes wurden zwei Jugendliche unter dem Verdacht der Brandstiftung festgenommen, auf Evia nahm die Polizei vier Menschen in Gewahrsam, die fahrlässig Feuer verursacht haben sollen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%