Verhüllungs-Debatte

Chinas Omas lieben den Facekini

Frankreich streitet um den Burkini. Chinesen können das nicht nachvollziehen. Verhüllen am Strand ist dort wichtig für blasse Haut. Doch die sogenannten „Facekinis“ erfüllen eigentlich einen ganz anderen Zweck.
Ob jung oder alt: An vielen Stränden in Asien tragen Frauen derzeit einen Facekini, meist in bunten Farben. Vor allem in Ländern wie Japan, Südkorea und Thailand achten Urlauberinnen auf ihren weißen Teint. Quelle: Picture Alliance
Vornehme Blässe

Ob jung oder alt: An vielen Stränden in Asien tragen Frauen derzeit einen Facekini, meist in bunten Farben. Vor allem in Ländern wie Japan, Südkorea und Thailand achten Urlauberinnen auf ihren weißen Teint.

(Foto: Picture Alliance)

PekingDer Sand ist weiß, das Meer ist blau: Das sind die Markenzeichen von Qingdao. Die ostchinesische Hafenstadt ist das Traumziel für chinesische Strandurlauber. In den Sommermonaten ist fast jeder Quadratzentimeter an den beliebtesten Küstenabschnitten besetzt.

Doch im Gegensatz zu Europa gibt es hier nur wenige, die den Strandausflug für ein Sonnenbad nutzen. Gerade Frauen versuchen möglichst wenig Sonne abzubekommen. Mit Schirmen schützen sie sich an Land. Und auch für das Wasser bieten chinesische Schwimmausrüster eine Lösung: den Facekini.

Gerade für chinesische Frauen gilt weiße Haut als ein Schönheitsideal. Vornehme Blässe ist ein Statussymbol. Die helle Haut soll eine hohe Herkunft ausdrücken. Wer reich ist, kann es sich leisten, sich vor der Sonne zu schützen. Arbeiterinnen müssen hingegen auch draußen in der Sonne schuften. So gilt das Klischee. In Supermärkten können Hautcremes mit Weißmacher ganze Regale füllen. Selbst an heißen Sommertagen tragen manche Chinesinnen Armhauben und Handschuhe, um nicht braun zu werden.

Der Facekini hebt diesen Trend jedoch auf eine neue Stufe. Die Gesichtsmasken sind in der einfachsten Version schon für umgerechnet 1,40 Euro zu haben. Höherwertige Ausgaben können schnell Dutzende Euros kosten.

Die Masken haben Zhang Shifan berühmt gemacht. Die ehemalige Buchhalterin habe die „Facekinis“ ursprünglich als Schwimmausrüstung entwickelt. „Sie sollte Quallen abhalten“, erzählte Zhang der südchinesischen Zeitung „Guangzhou Ribao“. „Stiche von Quallen sind sehr schmerzhaft und können böse Narben hinterlassen.“ Fast alle Körperstellen ließen sich gut mit Schwimmanzügen schützen, jedoch nicht das Gesicht. Das habe sie auf die Geschäftsidee gebracht.

Zhang ließ 2004 die ersten Facekinis produzieren. Doch sie waren ein Flopp. „Sie waren zu teuer und niemand konnte etwas damit anfangen“, sagte sie. Umgerechnet 4,50 Euro seien den Strandbesuchern damals zu viel gewesen. Doch dann habe sie mit neuen Farben experimentiert und ihr Sortiment auch auf Motive wie Masken der Peking-Oper erweitert. Heute gelten die Masken als besonders beliebt bei älteren Damen. Mehrere zehntausend Masken verkauft Zhang im Jahr.

Asiaten tragen beim Baden am liebsten Facekini
Asiatischer Trend bei Frauen
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Die Diskussion um ein mögliches Burka-Verbot in Deutschland ist gerade abgeklungen, da gehen diese Bilder von asiatischen Frauen um die Welt: „Facekini“ heißt der Trend, der absolut keine religiösen Hintergründe hat. Die Kopfbedeckungen dienen zum Schutz vor der Sonne.

Vornehme Blässe
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Ob jung oder alt: An vielen Stränden in Asien tragen Frauen derzeit einen Facekini, meist in bunten Farben. Vor allem in Ländern wie Japan, Südkorea und Thailand achten Urlauberinnen auf ihren weißen Teint.

Angst vor der Sonne
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Schon seit einigen Jahren tragen asiatische Frauen einen Facekini, damit sie nicht braun werden. Denn im Gegensatz zum Trend des Westens, so braun wie möglich in dem Herbst zu gehen, haben Frauen in Asien Angst vor Bräune. Eine Frau sollte immer ein helles Gesicht haben, sagte eine Asiatin zur „New York Times“ – anderweitig könnte man denken, sie sei arm.

Ganzkörperschutz
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Aktuell gewinnt das Thema erneut an Popularität. Weil in Frankreich eine Frau am Strand wegen ihres Burkinis ermahnt wurde, ist die Diskussion um das Ganzkörper-Outfit hochgekocht. Seitdem ziehen immer mehr Leute in den Sozialen Netzwerken die Parallele zu dem asiatischen Pendant, dem Facekini.

Religion versus Politik
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Das geplante Burka-Verbot in Deutschland rechtfertigt die Politik damit, dass das Verhüllen des Körpers integrationsschädlich sei. In Frankreich geht es vor allem um die Angst vor dem Islam und seinen Kennzeichen, wie einem Burkini. Seitdem hagelt es Kritik, selbst aus konservativen Reihen. Auch die chinesische Zeitung „People's Daily“ kritisiert die Diskussion in Europa und fragt „Wo sind deren Menschenrechte?“.

Trendiges Schwimmoutfit
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Indes ist es unwahrscheinlich, dass Frauen wie diese an den Stränden Japans Probleme haben, sich mit ihren Mitmenschen zu verständigen. Trotzdem: Der Facekini hat eine Botschaft.

Blässe in Blau
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In manchen Ländern gilt blasser Teint als Zeichen von Reichtum. Auch deswegen verhüllen die Frauen ihr Gesicht – und sehen somit aus wie bunte Marsmännchen. Aber: Wer schön blass sein will, trägt Facekini.

Doch auch in China sind sie umstritten. Im Internet ernten Bilder von Frauen mit Facekini immer wieder gehässige Kommentare. „Die sehen doch wie Monster aus“, schreibt ein Nutzer auf dem Mikroblog Weibo. Eine andere Nutzerin sagt: „Das würde ich niemals tragen.“ Andere brandmarkten die Trägerinnen als „Facekini-Omis“. Wer die Masken trage, habe keinen Sinn für Stil und müsse geistig zurückgeblieben sein, polterten Nutzer.

Es ist völlig normal, dass neue Produkte auf Ablehnung stoßen, meint Wang Ning, Soziologieprofessor an der Zhongshan Universität. „Natürlich muss so ein Produkt nicht jedem gefallen. Aber es ist gemein, wenn Trägerinnen für ihre Gesichtsmasken diffamiert werden“, sagt der Soziologe der „Guangzhou Ribao“. Wang appellierte, Toleranz nicht Arroganz müsse den Trägerinnen der Facekinis entgegengebracht werden. Egal wie man zu den Masken stehe.

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