Verlust für Film und Theater
Susanne Lothar mit 51 Jahren gestorben

Sie war eine der besten Charakterdarstellerinnen in Deutschland, auf der Leinwand und auch auf der Bühne. Mit nur 51 Jahren ist Susanne Lothar gestorben. Ihre Kollegen trauern um die Ausnahmeschauspielerin.
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BerlinDie Schauspielerin Susanne Lothar ist tot. Die außergewöhnliche Theater- und Filmdarstellerin starb im Alter von 51 Jahren, wie der Anwalt der Familie, Christian Schertz, am Mittwochabend in Berlin mitteilte. Weitere Angaben machte er mit Hinweis auf die Privatsphäre der Familie nicht. Enge Kollegen reagierten mit Bestürzung auf die Todesnachricht und würdigten Susanne Lothar als Ausnahmeschauspielerin.

Eine ihrer beeindruckendsten Rollen hatte Susanne Lothar in dem preisgekrönten Kinofilm „Das weiße Band“ des österreichischen Regisseurs Michael Haneke. Sie spielte die Hebamme, die von dem Dorfarzt in eine entwürdigende Lebenssituation gedrängt wird. Weitere Filme mit Haneke waren „Das Schloss“ und „Die Klavierspielerin“.

Haneke würdigte Susanne Lothar am Donnerstag als Ausnahmekünstlerin. „Ich kannte sonst kaum jemanden, der so eine mutige Schauspielerin war, die sich alles getraut hat“, sagte er der Nachrichtenagentur dpa in Wien. „Sie war eine Rarität und unersetzbar. Für den Film und das Theater ist das ein großer Verlust, eine Katastrophe.“

Schauspielerkollege Ulrich Tukur würdigte Lothar als große Theaterschauspielerin, die ihre „dunkle Energie“ auf der Bühne wunderbar habe umsetzen können. „Es war immer sehr viel Verzweiflung in dem, was sie gemacht hat“, sagte Tukur, der mit Lothar oft gemeinsam auf der Bühne gestanden hatte, im Deutschlandradio Kultur. „Auf der Bühne war sie toll, aber im Leben hat das nicht funktioniert.“

Lothar galt als vielseitige Charakterdarstellerin. Die zerbrechliche Wahl-Berlinerin war mit dem Schauspieler Ulrich Mühe verheiratet, der 2007 im Alter von 54 Jahren an Krebs starb. Mit ihm hatte sie zwei Kinder, Sophie Marie und Jakob. In Michael Hanekes beklemmender Gewaltstudie „Funny Games“ hatte Lothar an der Seite ihres Ehemannes gespielt. Haneke sagte: „Ich bin sehr traurig und erschrocken, auch weil ich damit überhaupt nicht gerechnet habe. Uli Mühe und sie waren ja meine beiden Haupt- und Lieblingsschauspieler und die wichtigsten Partner für mich im deutschsprachigen Raum. Das ist schon ein Schock.“

Die gebürtige Hamburgerin war sowohl Film- als auch Theaterschauspielerin, sie war am Burgtheater ebenso zu sehen wie im „Tatort“. Bereits für ihr Filmdebüt in Tankred Dorsts „Eisenhans“ (1983) hatte Lothar den Bundesfilmpreis erhalten. Mehrfach stand Lothar in Theaterarbeiten von Peter Zadek auf der Bühne. Berühmt wurde sie als Zadeks „Lulu“. Die 1988 am Schauspielhaus Hamburg entstandene Wedekind-Inszenierung sorgte dank Lothars exquisitem Spiel für Aufsehen. Das Fachblatt „Theater heute“ wählte sie 1988 zur „Schauspielerin des Jahres“.

Im vergangenen Jahr wirkte Lothar an der britischen Kinoproduktion „Anna Karenina“ mit Jude Law und Keira Knightley mit, die in diesem Herbst in die Kinos kommen soll. Daneben drehte sie die Episode „Die Gurkenkönigin“ der Krimiserie „Polizeiruf 110“, in der sie die weibliche Hauptrolle spielte.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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