Vermutlich Deutscher unter Opfern
88 Tote bei Flugzeugabsturz in Russland

Beim Absturz eines russischen Passagierflugzeugs sind in der Nacht zum Sonntag alle 88 Menschen an Bord ums Leben gekommen, darunter vermutlich auch ein Deutscher sowie 20 weitere Ausländer.

HB MOSKAU. In der Boeing 737 der russischen Fluggesellschaft Aeroflot befanden sich neben dem Deutschen auch ein Schweizer, ein Franzose, ein Lette und je ein Passagier aus Italien, den USA und der Türkei sowie neun Fluggäste aus Aserbaidschan und fünf aus der Ukraine, wie die Fluggesellschaft Aeroflot am Sonntag nach Angaben der Agentur Interfax mitteilte. Die Ursache des Unglücks in Perm am Ural ist noch unklar. Am 43. Geburtstag von Präsident Dmitrij Medwedjew schlossen die Behörden auch einen Terroranschlag nicht aus.

Das Auswärtige Amt hat nach Angaben eines Sprechers "noch keine eigenen Erkenntnisse", ob Deutsche ums Leben gekommen sind. Das Konsulat in Jekaterinburg habe Mitarbeiter zur Unglücksstelle geschickt, die in einigen Stunden dort einträfen, um Kontakt mit den Behörden am Ort aufzunehmen. Zunächst hatten die russischen Behörden mitgeteilt, es seien keine Ausländer an Bord gewesen.

Die aus Moskau kommende Maschine der Tochterfirma Aeroflot-Nord war nach ihren Angaben bereits auf dem Landeanflug des Flughafens der Millionenstadt Perm am Uralgebirge, als sie in 1 800 Meter Flughöhe den Kontakt zu den Fluglotsen verlor. Augenzeugen zufolge stürzte die Boeing in steilem Winkel auf Schienen der Transsibirischen Eisenbahn und zerbarst - nur wenige hundert Meter von Wohnhäusern entfernt. Das Moskauer Katastrophenschutzministerium teilte mit, am Boden sei niemand verletzt worden. Die Bahnlinie wurde geschlossen. Ermittler stellten am Sonntag die beiden Flugschreiber sicher. Diese sogenannten Black Boxes sollen helfen, die Ursache des Unglücks zu klären.

Die Ermittler gingen allen möglichen Ursachen für die Katastrophe nach, darunter auch einem Anschlag an Bord. Das sagte Aeroflot-Chef Waleri Okulow nach Angaben der Agentur Itar-Tass in Moskau. Laut Regierungsangaben starb bei dem Absturz auch der im Kaukasus äußerst umstrittene Armeegeneral und Präsidentenberater Gennadi Troschew, der während des Tschetschenien-Kriegs in den 1990er Jahren die russischen Truppen im Nordkaukasus kommandiert hatte. Troschew beriet den Kreml in der Kosakenfrage. Zudem waren hohe Funktionäre des Sambo-Sportverbandes an Bord. Der ehemalige Kremlchef Wladimir Putin ist ein erklärter Anhänger der russischen Kampfsportart Sambo (Selbstverteidigung ohne Waffe).

In Perm am Ural und in Moskau gab es widersprüchliche Angaben zum Zeitpunkt der Explosion des Flugzeuges. Augenzeugen hatten berichtet, dass die Maschine bereits in der Luft explodiert sei. Der russische Luftverkehrsexperte Anatoli Kwotschur hielt diese Version für möglich, da die Trümmer in einem ungewöhnlich großen Umkreis von vier Kilometern verstreut waren. Auf einer Bahnstrecke suchten Helfer in tausenden von kleinen Trümmerteilen nach Hinweisen auf die Ursache.

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