Verrückte Auktion bei Ebay
Ein ganzes Dorf kommt unter den Hammer

Für ein Mindestgebot von 1,75 Millionen Dollar können zukünftige Ortsbesitzer 33 Hektar Land, sieben Häuser, ein leer stehendes Café und ein 136 Jahre altes Postgebäude ersteigern. Wer den Zuschlag erhält, darf sich zudem zum Bürgermeister ernennen und dem Ort einen eigenen Namen geben.

HB SAN FRANCISCO. Die Tage der kleinen Ortschaft Bridgeville sind gezählt. Das Dorf am Rand der nordkalifornischen Redwood-Wälder, knapp vier Autostunden von San Francisco entfernt, könnte bald einen anderen Namen haben. „Nennen sie den Ort nach sich selbst“, heißt die Empfehlung auf der Webseite des Online-Auktionshauses Ebay, wo Bridgeville seit Dienstagabend (Ortszeit) einen neuen Käufer sucht. „Machen sie sich selbst zum Bürgermeister“, lockt es weiter. Die Auktion ist auf 30 Tage angesetzt.

Zwar habe der Ort keine Ampel, keine Tankstelle, keinen Laden und auch kein Restaurant, doch der derzeitige Besitzer hofft, dass ein Käufer den Wert der „wunderschönen Landschaft, des sauberen Flusses und der beschaulichen Gemeinde“ erkennt und ihm über 2 Millionen Dollar bietet. Er habe vor Beginn der Auktion schon unzählige Anrufe erhalten, auch einige aus Deutschland, sagte Bruce Krall am Dienstag der dpa.

Der in Südkalifornien lebende Finanzberater hatte Bridgeville in 2004 auf herkömmliche Weise - durch einen Makler - entdeckt und für 700 000 Dollar erworben. Zu diesem Zeitpunkt hatte der Ort schon eine Online-Odyssee hinter sich. In 2002 war die 1865 gegründete Ortschaft als erstes Dorf bei Ebay versteigert worden. Das höchste Gebot lag damals bei 1,78 Millionen Dollar, doch am Ende platzte der Kauf. Der Möchtgern-Besitzer machte einen Rückzug, als er das recht verwahrloste Fleckchen Erde besuchte.

Jetzt sei Bridgeville auf Hochglanz poliert, versichert Krall. Er habe in den letzten zwei Jahren „mehrere hunderttausend Dollar“ in die Renovierung und Entrümpelung des Dorfes gesteckt. „Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt“, schwärmt der Kalifornier über den möglichen Wirtschaftsboom in Bridgeville. Der Ort könnte als Filmstudio, Ferienanlage oder Meditationszentrum genutzt werden, zählt er als Beispiel auf.

18 Menschen leben derzeit in Bridgeville, 19 sind auf dem kleinen Friedhof des Ortes begraben. „Es ist total einsam hier und genau das lieben wir“, wird Chris Hanisko von der Zeitung „Orange County Register“ zitiert. Er habe von dem Großstadtleben in San Diego genug gehabt. Mit Frau und Kind wohnt er nun in einem kleines rosa Holzhaus. Mit der Ruhe dürfte es vorbei sein, wenn Kralls Wünsche für Bridgeville in Erfüllung gehen. „Ich stelle mir den Ort als fantastische Touristenattraktion vor“. Man könnte ihn wieder historisch aufbauen, wie zu Bridgevilles längst vergangener „Blütezeit“, als es dort Postkutschen, ein Hotel, einen Laden, einen Schmied, ein Sägewerk und über 100 Einwohner gab. Vielleicht begeistert sich auch ein sonnenhungriger Europäer. „Es regnet nur zwischen November und März, den Rest des Jahres ist es herrlich sonnig und warm“, preist Krall sein Versteigerungsobjekt an.

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