Versehen vs. Zensur
Facebook mag Brüste wirklich nicht

Das Foto einer Brust-OP verschwindet plötzlich von der Facebook-Seite der ZDF-Sendung „heute“. Erneut zeigt sich das merkwürdige Moralverständnis des US-Unternehmens. Auch wenn am Ende alles anders kommt, als es scheint.
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Düsseldorf„Ungefiltert“ und „unzensiert“ sind sicher nicht die ersten zwei Worte, die man gewöhnlich mit Facebook verbindet. Umso besser kam Freitagmorgen dieser Post auf der Facebook-Seite von ZDF „heute“ an: „Liebe User, Facebook hat unsere Seite vorübergehend gesperrt, weil wir zur Berichterstattung über Brustimplantate ein medizinisches Brust-Bild veröffentlichten“, schreibt das Team der Seite dort und sammelt damit sekündlich mehr Likes.

„Scheinheilig“ oder „prüde“ kommentieren die meisten, der Nutzer Uwe Wolfrum kommentiert gar ironisch: „Hakenkreuze, rassistische Seiten, Leichen und Hinrichtungsvideos sind kein Problem bei Facebook, probiert's doch mal damit anstatt mit diesen subversiven nackten Brüsten, die uns sofort erblinden und in der Hölle schmoren lassen!“ Die Diskussion, was Facebook erlaubt und was nicht, war vor kurzem anhand von Enthauptungsvideos entstanden, wie wir hier berichteten.

Eine ganze Seite sperren, nur wegen ein paar Nippeln, das gibt´s doch gar nicht! Stimmt. Denn das ganze war ein Versehen. Bilder von Brüsten verstoßen gegen die AGB von Facebook (worauf auch einige Nutzer mit der Begründung „ist doch hinlänglich bekannt“ bei ZDF „heute“ hinweisen), daher wurde das Bild gelöscht. Dass die Seite gesperrt war, liegt aber an einem Versehen bei der „heute“-Redaktion, wie sie später ebenfalls bei Facebook bekanntgibt: „ZDFheute [wurde] vorgeschlagen, die Seite inaktiv zu stellen, um mögliche weitere Community-Regelverletzungen zu entfernen. Durch ein Missverständnis in der Redaktion wurde die Seite tatsächlich inaktiv gestellt. Und dann – eine Panne kommt selten allein – wurde diese Inaktivstellung auch noch von uns selbst kritisiert. Wir bedauern dieses Missverständnis.“ Und das ganze auch noch am Freitag, dem 13. Wie passend.

Also doch alles halb so wild? Nicht ganz: Denn auch wenn die Seite nicht gesperrt wurde, ändert sich an der Entfern-Aktion nichts.

Facebook bestimmt, wer was sehen darf. Damit kann man sich abfinden, weil man sich durch die Anmeldung den Spielregeln anpassen muss – man kann das aber auch kritisieren. Denn die Richtlinien drücken ein merkwürdiges Moralverständnis des US-Konzerns aus.

Seite 1:

Facebook mag Brüste wirklich nicht

Seite 2:

Bild von Femen-Protest ebenfalls gelöscht

Kommentare zu " Versehen vs. Zensur: Facebook mag Brüste wirklich nicht"

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  • Bekannte, die Facebook benutzen, habe ich abgeschafft. Es sind doch nur die groessten Looser, die sich in peinlicher Selbstdarstellung hingeben. Armselige Angeber, aber endlich mit der richtigen Internet-Plattform dafuer. Die verstehen nicht mal die Peinlichkeit ihres Handelns.

  • Macht doch euer eigenes Facebook ihr Nasen!!!
    So ein BLAHHHH wegen nothing! Nehmt die GEZ-Gebühren und zündet Eure Zigaretten damit an. Dafür lebe ich länger.

  • Wahrscheinlich können Nacktbilder in Zukunft nur noch von den Rechnern der NSA, die mit Premium-Accounts ausgestattet sind, eingesehen werden.

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