"Verstoß gegen die Menschenwürde"
„Körperwelten“-Initiator will klagen

Der Heidelberger Anatom Gunther von Hagens will juristisch gegen das Münchner Verbot seiner umstrittenen Leichenausstellung „Körperwelten“ vorgehen. Das kündigte eine Sprecherin des Instituts für Plastination am Mittwoch in Heidelberg an. Von Hagens beruft sich auf die Einschätzung eines Staatsrechtsprofessors, wonach ein Verbot der Ausstellung verfassungswidrig sei.

HB/dpa HEIDELBERG/MÜNCHEN. Die Stadt München hatte die geplante Ausstellung am Dienstagabend verboten, nachdem sich der Stadtrat Ende Januar mit breiter Mehrheit hinter die Verbotspläne gestellt hatte. „Wir wollen die Ausstellung verhindern“, unterstrich Kreisverwaltungsreferent Wilfried Blume- Beyerle am Mittwoch. „Ich bin sicher, dass wir diesen Rechtstreit durch alle Instanzen durchführen werden.“

Das Kreisverwaltungsreferat begründet das Verbot vor allem mit dem Bestattungsrecht und sprach zudem von einem Verstoß gegen die Menschenwürde. Die Wanderausstellung hätte vom 22. Februar an in München Station machen sollen. Bislang haben nach Veranstalterangaben weltweit elf Millionen Menschen die Schau mit 200 Präparaten gesehen. Beim Verwaltungsgericht München ist derzeit noch ein Eilantrag von Gunther von Hagens vom Montag anhängig. Damit will sein Institut für Plastination der Stadt untersagen, die Ausstellung in dem ehemaligen Olympia-Radstadion aus baurechtlichen Gründen zu verbieten. Die Stadt argumentiert, die Arena sei Nutzungen mit sportlichem Bezug vorbehalten.

Von Hagens hatte 2001 für seine Leichenschau eine Einladung von Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) erhalten, welche die „Süddeutsche Zeitung“ am Mittwoch in Auszügen veröffentlichte. Er habe sich nicht vorstellen können, dass die Plastinate echte Leichen seien, begründet Ude heute den Brief. Inzwischen vertritt Ude die Meinung, dass die Ausstellung gegen die Menschenwürde verstößt, weil es sich um eine „Verdinglichung“ des Menschen handelt.

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