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Verstrahlte Arbeiter von Fukushima: Schwere Vorwürfe gegen Skandal-Konzern Tepco

Die Welt feiert sie als "Helden", in Japan wächst der Verdacht, dass die verstrahlten Arbeiter höchst fahrlässig in die Strahlenhölle von Fukushima geschickt wurden. Der Energieversorger Tepco wird zum Skandal-Konzern.

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TokioAuch außerhalb der Evakuierungszone rund um das havarierte japanische Atomkraftwerk Fukushima-Daiichi wächst die Angst vor radioaktiver Verstrahlung. Parlamentarier drängen die Regierung, die Zone von bisher 20 Kilometern auszuweiten. An den Reaktoren selbst schien sich die Lage weiter langsam zu stabilisieren, am Donnerstag stieg kein schwarzer Rauch mehr auf, allerdings wurde gemeldet, dass wieder drei Arbeiter verstrahlt wurden.

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Erstmals empfahl Regierungssprecher Yukio Edano den Bewohnern in Windrichtung des Atomkraftwerks auch unmittelbar außerhalb eines Radius' von 30 Kilometern, sich nicht im Freien aufzuhalten und die Fenster von Gebäuden geschlossen zu halten.

Nach Informationen der Nachrichtenagentur dapd unterschrieben am Donnerstag 23 Abgeordnete aus dem Ober- und Unterhaus des Parlaments eine Petition, in der sie fordern, auch außerhalb des bisherigen Radius' rund um das Kraftwerk die Evakuierung „drastisch voranzutreiben“. Ein Team der Gunma-Universität hatte am Montag rund 40 Kilometer nordwestlich von Fukushima um das 400-fach erhöhte Radioaktivität im Boden gemessen.

Für Aufsehen sorgen Bilder vom Unglücksort: Männer mit Atemschutzmasken und Gummihandschuhen hasten durch die Dunkelheit. Im Lichtkegel von Taschenlampen arbeiten sie sich an den Reaktor heran, aus dem unablässig radioaktive Strahlung kommt. Die Videobilder während eines Einsatzes im Unglücksreaktor von Fukushima, die das japanische Fernsehen zeigte, wirken wie aus einem düsteren Science-Fiction-Film. Es sind Momentaufnahmen des täglichen Horrors, dem die Männer in Fukushima ausgesetzt sind. Am Donnerstag dann die Schreckensnachricht: Drei der Männer, deren Namen niemand kennt, bekamen während Kabelarbeiten eine Überdosis an gefährlichen Strahlen ab, zwei wurden sofort in die Klinik gebracht. Die Nation ist geschockt. Wie konnte das passieren?

Während das japanische Fernsehen am Abend Bilder vom Eintreffen des Krankenwagens zeigt, von dem aus die an ihren Beinen verbrannten Männer abgeschirmt hinter blauen Plastikplanen ins Krankenhaus gebracht werden, gehen Kommentatoren ungeheuerlichen Verdachtsmomenten nach: Der Vermutung, dass die Männer, die von ausländischen Medien als „Helden“ gefeiert werden, in Wahrheit von ihren Auftraggebern schlimmsten Arbeitsbedingungen ausgesetzt sind und dabei ihr Leben riskieren.

So sei das Turbinengebäude, in dem die drei Männer Kabelarbeiten durchführen sollten, lediglich am Vortag auf Strahlung gemessen und für unbedenklich erklärt worden, nicht aber am Tag ihres Einsatzes. Ohne also zu wissen, welche Strahlenbelastung sie erwartet, stiegen die Männer ins Tiefgeschoss.

Nahaufnahmen aus Fukushima Sinnbilder für die Machtlosigkeit in der Strahlenhölle

  • Nahaufnahmen aus Fukushima: Sinnbilder für die Machtlosigkeit in der Strahlenhölle
  • Nahaufnahmen aus Fukushima: Sinnbilder für die Machtlosigkeit in der Strahlenhölle
  • Nahaufnahmen aus Fukushima: Sinnbilder für die Machtlosigkeit in der Strahlenhölle
  • Nahaufnahmen aus Fukushima: Sinnbilder für die Machtlosigkeit in der Strahlenhölle

Fest steht, dass sie dort in radioaktiv verseuchtem Wasser stehen mussten, um zu arbeiten. Sie hatten zwar Schutzanzüge an, aber laut Medien keine langen Stiefel. Das Wasser stand nach Angaben des japanischen Fernsehens 15 Zentimeter hoch. Es lief den Männern von oben in die Schuhe, wodurch sie sich die schweren Verbrennungen an den Beinen zuzogen. „Der Vorfall wirft Zweifel an der Sicherheitsüberwachung auf“, erklärte ein Kommentator des japanischen TV-Senders NHK. Zweifel, die die skandalumwitterte Betreibergesellschaft Tepco schwer belasten. So wird der Konzern, der in der Vergangenheit jahrelang Schäden an AKWs vertuscht hatte, verdächtigt, mangelhaft ausgebildete Arbeiter eingesetzt zu haben.

Die Männer seien einer Strahlendosis von rund 170 oder 180 Millisievert ausgesetzt gewesen, sagte Hidehiko Nishiyama von der Atomsicherheitsbehörde NISA. In Fukushima dürfen die Helfer bei jedem Einsatz eigentlich nur 150 Millisievert abbekommen. Über ein Jahr sind für sie inzwischen 250 Millisievert erlaubt. Der Nuklearmediziner Andreas Bockisch vom Universitätsklinikum in Essen erklärte: „Diese Werte liegen unter der Belastungsgrenze, ab der mit ernsthaften Auswirkungen zu rechnen ist. Bei 150 Millisievert kommt es statistisch zu fünf Krebserkrankungen pro 1000 Menschen.“

Einige der Hunderte von Arbeitern, die seit Tagen in der Atom-Hölle von Fukushima gegen den unsichtbaren Strahlenfeind kämpfen und das havarierte AKW unter Kontrolle bringen sollen, waren von Vertragsunternehmen von Tepco angeheuert worden. Im japanischsprachigen Internet findet sich eine Stellenausschreibung eines Unternehmens für Arbeiten im Kernkraftwerk in Fukushima. Ausbildungsanforderungen: keine, heißt es dort.

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2 Kommentare

  • 24.03.2011, 19:47 UhrAnonymer Benutzer: heinrich

    Geothermie? Bei genauerem Hinsehen ist die Sache wohl doch nicht so einfach.

    Aber: Ich frage mich, warum es denn noch keine Berichte über die doch dringend notwendige Verhaftung der Verantwortlichen für die Wartungsmängel in den japanischen AKWs gibt.

  • 24.03.2011, 17:19 UhrAnonymer Benutzer: Zeitgeist3_youtube

    Atomkraft nein Danke!

    Alternative?

    Geothermie!!! ( Unendlich und sauber )

    99 Prozent unseres Planeten sind heißer als 1000 °C

    Warum wird diese freie Energie nicht ausreichend gefördert und von den privaten Konzernmedien kaum erwähnt?

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