Verteidigungsminister Struck will Ausbilder entlassen, die Soldaten misshandeln
Coesfelder Rekruten schildern Demütigungen

Rekruten aus der Kaserne im westfälischen Coesfeld haben Einzelheiten der Misshandlungen durch Ausbilder geschildert. In der „Bild“-Zeitung berichteten sie, dass sie bei einer nachgestellten Geiselnahme gefesselt, geschlagen und mit Wasser abgespritzt worden seien. Nur ein Soldat habe sich getraut, das Codewort „Tiffy“ zu sagen und damit die Gewalttätigkeit zu beenden.

HB BERLIN. Der Beauftrage für Erziehung und Ausbildung im Verteidigungsministerium, General Alois Bach, sagte der „Sächsischen Zeitung“ (Dresden/Donnerstag), das Rollenspiel „Verhalten als Geisel“ gehöre bei der Bundeswehr zur regulären Vorbereitung von Auslandseinsätzen. Ein solches Rollenspiel sei aber nicht Bestandteil der Grundausbildung für wehrpflichtige Soldaten.

Ein Soldat schilderte der „Bild“: „Plötzlich griffen uns maskierte Männer an, zogen uns Leinensäcke über den Kopf, fesselten uns mit Kabelbindern.“ Die Opfer seien in einen Keller gebracht worden. Ein anderer Soldat sagte: „Wir mussten uns hinknien und abwarten. Dann wurde jeder Einzelne weggeführt und 'verhört'. Einige wurden mit Wasser abgespritzt, andere erhielten Schläge in den Nacken ... Einem Kameraden haben sie die Kabel in den Nacken gehalten, ihm dort Stromschläge verpasst. Sie drückten ihn mit Gewalt runter. Er schrie auf.“

Dass die Wehrdienstleistenden die Schikanen über sich ergehen ließen, begründete ein Soldat so: „Niemand wollte als Feigling oder Schwächling dastehen.“ Die Staatsanwaltschaft Münster ermittelt wegen der Misshandlungen von rund 80 Bundeswehrsoldaten im Instandsetzungs- Bataillon 7 gegen 21 Vorgesetzte. Verteidigungsminister Peter Struck (SPD) will Ausbilder, die misshandeln, aus der Truppe entlassen. Er ordnete eine Untersuchung darüber an, ob Misshandlungen eine indirekte Folge der Neuausrichtung der Bundeswehr auf Auslandseinsätze sind. Der Jurist Matthias Mahlmann von der Freien Universität (FU) Berlin sprach von Körperverletzung. Rekruten zu misshandeln, sei in jeder Hinsicht unzulässig, sagte der Experte für Menschenrechte und Menschenwürde.

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