Verurteilt wegen Betrug: Ein Engländer blamiert Armeen und Polizei

Verurteilt wegen Betrug
Ein Engländer blamiert Armeen und Polizei

Für 13 Pfund hat ein Brite Golfball-Suchgeräte gekauft – und für bis zu 33.000 Pfund pro Stück als vermeintliche Bomben-Prüfgeräte weitergegeben. Er muss dafür wohl ins Gefängnis. Die Käufer bleiben blamiert zurück.
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LondonEr hat seinen Kunden ein technisches Wunderwerk der Superlative versprochen – fast zu gut, um wahr zu sein. Doch sie haben es ihm geglaubt. Das Gerät könne bei weitem nicht nur Bomben aufspüren, sicherte der Brite James McCormick seinen potentiellen Käufern zu. Auch Elfenbein, Drogen und jede Menge anderer gefährlicher oder verbotener Substanzen könne es entdecken – und sogar Menschen, die sich zu verstecken versuchten. Man könne das Gerät unter Wasser einsetzen und unterirdisch. Es funktioniere sogar durch dicke Wände. Alles kein Problem.

Mehr als 50 Millionen Pfund hat der 56-jährige Brite Medienberichten zufolge mit dem Verkauf dieser Geräte gemacht. Er hat sie vor allem in Kriegs- und Krisenregionen wie den Irak und nach Afghanistan verkauft. Auch die kenianische Polizei hat seine Technik eingesetzt, die Grenzkontrolleure in Thailand und die ägyptische Armee. Doch im Prinzip konnten die Maschinen nur eines: Golfbälle suchen, aber keinesfalls all die gefährlichen Dinge aufdecken und so Leben retten, was sich die Käufer erhofft hatten.

Jetzt hat ein Londoner Gericht McCormick wegen Betrugs für schuldig erklärt. Das genaue Strafmaß wird nächste Woche festgelegt. Ihm drohen acht Jahr Haft. Der Mann sei ein Bauernfänger, ein Hochstapler, sagten Ermittler vor Gericht, aber ein Hochstapler von der teuflischen Sorte. „Ich bin überzeugt davon, dass Menschen ihr Leben verloren haben, weil sie an die Funktionstüchtigkeit des Geräts geglaubt haben“, sagte Kriminalkommissar Nigel Rock nach Medienangaben vor Gericht. Rock hatte die Ermittlungen in diesem Fall geleitet.

McCormick hat die Suchgeräte für Golfbälle für etwa 13 Pfund gekauft, sie leicht verändert und später für bis zu 33 000 Pfund pro Stück verkauft. Mit diesem Trick hat der Mann, der zuvor mal eine Ausbildung zum Polizisten gemacht und später als Vertreter für Elektrogeräte gearbeitet hatte, ein Vermögen gemacht. Er konnte sich nach Informationen britischer Zeitungen eine Yacht, Luxusautos und Ferienhäuser leisten, eine Villa in einem der edelsten Vierten in der westenglischen Kurstadt Bath für 3,5 Millionen Pfund kaufen, die zuvor dem Schauspieler Nicolas Cage gehörte, und seiner Tochter teure Hobbies wie das Dressurreiten finanzieren.

Die größten Umsätze machte McCormick mit dem Verkauf der Geräte in den Irak. Nach Informationen der BBC soll er dort hohe Beamte mit Millionen bestochen haben, um seine angeblichen Bomben-Detektoren loszuwerden.

Sein Trick, Millionen zu machen, ist Ende 2009 aufgeflogen. Britische Armeeoffiziere, die in Basra und Bagdad im Einsatz waren, stellten die Wundergeräte von McCormick in Frage.

Vor Gericht verteidigte sich der Mann vor allem mit einem Argument: Bislang hätte sich keiner seiner Kunden über das Gerät beschwert. Keiner hätte den Austausch einer fehlerhaften Maschine gefordert oder die Rückerstattung des Kaufpreises.

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  • Dummheit, Veranwortungslosigkeit und Schlamperei ist offensichtlich das richtige Umfeld für tolle Geschäfte.
    Diese Einkaufs-Manager gehören wegen schwerer Untreu angeklagt. Bevor Produkte in der Industrie eingekauft werden erfolgt ein umfangreicher Freigabeprozeß, das übliche "supplier Assesment, technology assesment, functional tests, reliability tests, process analysis, documentation, auditing, certifications etc.etc."
    Offensichtlich müssen hier mal wieder einige beschränkte Politiker ( siehe Airport Berlin)am Werk gewesen sein. Anders kann man man sich diesen Schwachsinn nicht erklären

  • Mit der Dummheit der Leute ist doch immer noch das meiste Geld zu machen.
    Und das Argument, niemand haette sich ueber seine Geraete beschwert ist an sich ja schluessig - eigentlich ist der Mensch ein Genie.

  • About 80 percent of all golfers have never broken 90!
    Da liegt der Golfer im Pfeffer, denn ohne diese 'High-
    handicaper' wäre es niemals nötig gewesen ein Golfball-
    suchgerät zu entwickeln!

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