Viel Sport, keine Schleichwerbung
Das Fernsehjahr 2006

Für Spannung wird das Fernsehjahr 2006 sowohl am Bildschirm als auch hinter den Kulissen sorgen.

HB HAMBURG. Im Fernsehen dominieren der Sport in Form der Fußball-WM und der Olympischen Winterspiele in Turin sowie neue Filme und Serien. In Gesellschafterkreisen wird die künftige Rolle von Pro Sieben, Sat1 oder Kabel 1 angesichts der angestrebten Fusion der Axel Springer AG und des Pro-Sieben-Konzerns weiter diskutiert werden. Auch die wacklige Position des Abonnenten-TV Premiere und die steigende Zahl digitaler Spartenkanäle sorgen für Gesprächsstoff.

Gerade die Vergabe der Fußball-Bundesligarechte an die Firma Arena, ein Konsortium verschiedener Kabelnetzbetreiber, bringt das bislang stabil wirkende Gefüge der Fernsehlandschaft ins Wanken. Premiere muss wohl vom Spätsommer 2006 an auf die Bundesliga-Pay-TV- Rechte verzichten und büßt möglicherweise viele 100 000 Abonnenten ein. Doch auch aus anderen Ecken erwächst der Aktiengesellschaft unter Vorstandschef Georg Kofler Ungemach: Die RTL-Familie schloss jüngst mit dem ärgsten Premiere-Konkurrenten, der Kabel Deutschland, eine Vereinbarung zum Start mehrerer Sparten- und Pay-TV-Angebote.

Wie es um die Zukunft der Pro-Sieben-Sat1-Familie aussieht, ist derzeit auch noch offen. Am 20. Januar will das Bundeskartellamt über die Fusion mit Springer entscheiden. Ob die geballte Front mit vier TV-Sendern (Pro Sieben, Sat1, Kabel 1, N24) angesichts einer beherrschenden Position am Markt der Printmedien sowie im TV so bestehen bleiben kann, halten Experten für fraglich. Sie schließen nicht aus, dass einzig Sat1 in seiner derzeit bestehenden Form als Vollprogramm erhalten bleibt und die anderen drei abspecken müssen, sollte es zur Fusion kommen.

Schleichwerbung dürfte es nach den Skandalen, die 2005 vor allem die ARD erschütterten, nicht mehr geben, denn die Sender wollen mehr auf unerlaubtes Product Placement achten. Die EU will dagegen der Werbung mehr Spielraum eröffnen und auch dem Product Placement, vorausgesetzt, dass die bezahlte Platzierung von Produkten in Sport- und Unterhaltungssendungen im Vor- oder Abspann kenntlich gemacht wird. Freuen kann sich der Zuschauer auf eine neue Vielfalt im digitalen Spektrum: Der Food Channel, der Kunstvideokanal Souvenirs from the Earth, Job TV 24, die Teleshoppingsender Midgard und Jamba sowie Premiere Win sind nur ein Teil der neuen Abspielstationen.

ARD, ZDF und RTL erhoffen sich von der Fußball-WM ab 9. Juni einen kräftigen Schub. Die ARD verspricht von der Vorverlegung der "Tagesthemen" auf 22.15 Uhr mehr Resonanz. Zu den herausragenden Filmen zählen "Klaus Störtebeker" und "Eine einzige Tablette" über den Contergan-Skandal. Das ZDF zeigt mit "Dresden" die Verfilmung des alliierten Angriffs 1945 auf die Elbmetropole, neue Serien sind "Feuer und Flamme" und die "Hafenkante". Pro Sieben erhofft sich nach lange gesunkenen Marktanteilen Aufmerksamkeit durch Heidi Klums Show "Germanys Next Model" und Blockbuster aus Hollywood - von eigenproduzierten Serien ist nach dem Flop von "Alles außer Sex" keine Rede mehr.

Ganz im Gegensatz zu Sat1: Die Nummer eins im Konzern will im Fußballjahr ohne WM-Übertragungsrechte für den Berliner Sender mit Sönke Wortmanns Kickerserie "Freunde für immer" punkten, auch mit der Schokoladendynastieserie "Unter den Linden", "8 Days" und "Allein unter Bauern" - trotz der schlechten Serienerfahrungen vom Herbst kurbelt Sat1 die Fictionproduktion weiter an. Neu ist "Sat1 am Mittag", das werktägliche Magazin, das Vera Int-Veens Talkshow ablöst - die fängt wiederum bei RTL II an und moderiert dort vom 17. Januar an die Reihe "Glück-Wunsch".

Der private Marktführer RTL gibt sich am zurückhaltendsten mit Innovationsankündigungen: Fest steht der Zweiteiler "Die Sturmflut" am 19. und 20. Februar, der Sieger aus der Castingshow "Deutschland sucht den Superstar" wird im März ermittelt. Und auch danach geht es um Stars: Der neue Bildschirmheld soll nicht singen, sondern tanzen und wird gesucht bei den "Dancing Stars".

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