Viele Anzeigen gegen bayerischen Umweltminister
„Bruno“-Abschuss spaltet auch die SPD

Nach dem Abschuss des Braunbären „Bruno“ hat Bundesumweltminister Sigmar Gabriel seinen bayerischen Kollegen Werner Schnappauf verteidigt.

HB MÜNCHEN. Nach dem Abschuss des Braunbären „Bruno“ hat Bundesumweltminister Sigmar Gabriel seinen bayerischen Kollegen Werner Schnappauf verteidigt. „Die Gleichen, die Werner Schnappauf heute kritisieren, die hätten ihn natürlich wahrscheinlich öffentlich gekreuzigt, wenn jemand verletzt worden wäre durch den Bären“, sagte der SPD-Politiker am Donnerstag im Bayerischen Rundfunk. Dagegen kündigte die bayerische SPD Strafanzeige gegen Schnappauf an.

Gabriel bedauerte, dass der Bär nicht lebend gefangen werden konnte. Man könne schwer „den Afrikanern oder den Indern sagen, lasst Eure Elefanten und Tiger leben, aber bei uns wird der erste Bär, der um die Ecke kommt, erschossen“. Die Bundesregierung sollte sich deshalb „mit den Bundesländern und anderen EU-Staaten auf eine Art internationales Großwildmanagement einigen, wie mit Raub und Wildtieren in Zukunft umgegangen werden soll“, sagte Gabriel der „Bild“-Zeitung.

„Begrüßt und dann abgeknallt“

Bei der Münchner Staatsanwaltschaft ging eine Flut von Strafanzeigen gegen Schnappauf und die Jäger ein - inzwischen seien schon 43 Strafanträge in den Akten, sagte Oberstaatsanwalt Rüdiger Hödl. Ob ein Ermittlungsverfahren gegen jemanden eingeleitet werde, werde frühestens nächste Woche entschieden.

Der Tierschutzgesetz-Kommentator Hans-Georg Kluge rechnet mit der Einstellung des Verfahrens. Er befürchte auf Grund früherer Erfahrungen „handwerklich-technische Fehler im Umgang mit der vielen Staatsanwälten nicht geläufigen Materie“, erklärte der Berliner Jurist.

Die bayerische SPD kündigte Strafanzeige wegen „Tötung eines Tieres ohne vernünftigen Grund“ gegen Schnappauf an. Nachdem „Bruno“ „begrüßt und dann abgeknallt“ worden sei, müsse man vielleicht „auch Angst um die kleinen Seeadler haben“, die kürzlich am fränkischen Altmühlsee geschlüpft seien, sagte der SPD-Umweltsprecher Ludwig Wörner in München.

Fritz Kuhn empfiehlt Italienern Trauerflor für Bruno

Ihrer Wut wegen des Abschusses des Braunbärs Bruno sollten die Italiener nach Vorstellungen des Grünen-Fraktionschefs Fritz Kuhn auf dem Fußballplatz Luft machen. „Es wäre eine passende Geste, wenn Italien mit Trauerflor für Bruno auflaufen würde“, sagte Kuhn am Donnerstag in Berlin im Hinblick auf das Viertelfinalspiel gegen die Ukraine an diesem Freitag. „Kaum verlässt Bruno Italien und betritt als erster Braunbär seit 170 Jahren deutschen Boden, lässt Bayerns Umweltminister Schnappauf ihn abknallen. Hier wäre mehr Mühe für eine unblutige Lösung gefragt gewesen.“

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