Viele hatten auf Papst aus eigenen Reihen gehofft
Enttäuschung und Freude in Lateinamerika

Die Menschen in Lateinamerika, wo die meisten Katholiken der Welt leben, haben mit Jubel und Enttäuschung auf die Wahl des neuen Papstes reagiert. Mexikos Präsident Vicente Fox gratulierte und lud Joseph Ratzinger zu einem Besuch ein.

HB BOGOTA. Argentiniens Präsident Nestor Kirchner schrieb, er hoffe, der Deutsche werde ein guter Papst sein.

Wenige hatten ernsthaft geglaubt, dass endlich ein Kirchenführer aus Lateinamerika zum Oberhaupt der Katholiken gewählt würde, gehofft hatten dies aber insgeheim viele. Gebannt hatte die gesamte katholische Gemeinde Lateinamerikas in den vergangenen Tagen nach Rom geschaut und darauf gewartet, dass weißer Rauch aufsteigen würde für einen Kardinal aus Brasilien, Honduras oder Mexiko. In Lateinamerika leben etwa 500 Millionen Katholiken, mehr als auf jedem anderen Kontinent.

Die Medien hatten schon in den letzten Tagen zunehmend Ratzinger als Favoriten genannt. Nach der Wahl des Deutschen kamen in Mexikos Zentrum und im Wallfahrtsort Guadelupe, wo eine Statue von Johannes Paul II. steht, Tausende von Gläubigen zusammen.

Die Wahl des Ratzingers zum neuen Papst bedeutet nach Ansicht der Kirche in Brasilien eine „Wende“ des Vatikans Richtung Europa. „Auch die Wahl des Namens Benedikt XVI. deutet darauf hin, dass Ratzinger sich in erster Linie der Wiederchristianisierung Europas widmen will“, erklärte der stellvertretende Präsident der brasilianischen Bischofskonferenz, Antonio Celso de Queiroz.

Während die Kirchen wie in Argentinien von „großer Freude“ über die Wahl des Deutschen sprachen, äußerten einfache Gläubige Enttäuschung, dass auch der neue Papst wieder aus Europa kommt. „Es wäre gut gewesen, wenn ein Lateinamerikaner gewählt worden wäre. Immerhin leben hier die meisten Katholiken“, sagte etwa der kolumbianische Ingenieur José Rodriguez.

Beunruhigung löste die Wahl Ratzingers bei einigen Vertretern der Befreiungstheologie aus. Die peruanische Philosophin Cecilia Tovar warnte jedoch vor Pessimismus. Die „solide theologische Bildung“ des neuen Papstes lasse hoffen, dass Benedikt XVI. auch eine Hoffnung für die Anhänger der Befreiungstheologie sein könne.

Ratzinger sei immer zu einem „offenen Dialog“ mit dem peruanischen Priester Gustavo Gutiérrez bereit gewesen, einem der wichtigsten Vertreter der Befreiungstheologie. „Hoffentlich kann Benedikt XVI. die von Johannes Paul II. begonnene Öffnung der Kirche für Fragen der Armutsbekämpfung und der Schuldenkrise fortsetzen“, so Tovar.

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