Viele raten Darius ab, wieder in den Ring zu steigen
Im Auge des Tigers

Darius Michalczewski ist ein Boxer mit ganz, ganz viel Herz. Trotzdem taugt er nicht zum Liebling der Massen.

Wie Peitschenhiebe klatscht Haut auf Haut. Sattledern der Widerhall von den Fäusten, die in den Handschuhen des Trainers landen. Rechts. Links. Rechts. Tempo! Box! Der Schweiß dampft in Schwaden, den Rhythmus im Gym gibt heute Morgen das Japsen der Trainierenden vor, die Kommandos der Coaches, das rasche Schlurfen im Schrittwechsel. Alltagssound im Gym des Universum-Boxstalls in der Walddörfer Straße in Hamburg.

So lange, bis der Tiger kommt. Ein großes Hallo schlägt Darius Michalczewski, dem bewunderten Kumpel, entgegen. Eine Umarmung hier, ein paar nette Worte dort. Keinen seiner Kumpels und Kollegen lässt er aus.

Der Tiger ist wieder da, es ist nicht zu übersehen. An diesem Sonntag steigt erst einmal in den TV-Ring – und kämpft um Einschaltquoten. Denn in der Pro-Sieben-Doku-Serie „Der Tag der Ehre“ lässt er andere für sich kämpfen. Hier mimt er den Box-Coach, der verschiedenen Männern dabei behilflich ist, ihre diversen Streitigkeiten handfest auszutragen. Im Boxring.

Im Februar 2005 wird es für ihn selbst körperlich-ernst werden, wenn er in Hamburg um den Weltmeisterschaftsgürtel im Halbschwergewicht antritt, den er vor einem Jahr an den Mexikaner Julio Cesar Gonzales nach Punkten abgeben musste.

Viele, teils selbst ernannte Boxsachverständige raten ihm davon ab, wieder in den Ring zu klettern. Sicher, viele seiner letzten Kämpfe boxte er nicht ohne Erfolg. Aber seinem Gesicht sah man nach den Kämpfen an, dass er viel einstecken musste, vielleicht zu viel. Einige dieser Experten machen sich Sorgen um seine Gesundheit, warnen vor dem berühmten Kampf zu viel. Der parkinsonkranke Ex-Champion Muhammad Ali dient ihnen als warnendes Beispiel.

Den Tiger bremsen die Bedenkenträger nicht. „Ich bin heiß auf den Kampf“, sagt er. „Und ich bin fit.“ Das weiße Handtuch wirft der Pole, der auch die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt, nicht in den Ring – er will es noch mal wissen.

Genauso wie damals, 1996. In seinem legendären Kampf gegen Graciano Roccigiani, dem Bad Boy der deutschen Boxer, im Millerntor-Stadion in Hamburgs heißestem Quartier St. Pauli, als der Tiger nach zehn Runden seinen Herausforderer besiegte – durch technischen K.O.

Michalczewski war am Ziel seiner sportlichen Träume, doch privat näherte er sich seinem Tiefpunkt. „Ich habe nach diesem Kampf gegen Rocky tagelang mit meinen Freunden gefeiert.“ Bei seiner damaligen Ehefrau kamen diese Eskapaden nicht gut an, schon gar nicht jene vier Damen, die zum Amüsement dazuzugehören schienen.

Das Ehepaar Michalczewski ließ sich zum zweiten Mal scheiden. Donata zog mit den gemeinsamen Söhnen Michael und Nicolas nach Florida. „Meine größte Niederlage“, bekennt der Boxer heute reumütig und schlägt zugleich trotzig noch einmal nach: „Ich würde alle Fehler noch einmal machen.“ Basta.

Für ihn, vom Naturell impulsiv und geradeheraus, ist die feine Art nicht seine Heimstatt und „Everybody’s Darling“ kein Profilierungsziel. „Darek ist der Gegenentwurf zu dem smarten Gentleman-Boxer Henry Maske“, sagt sein Freund und Manager Christoph Wesche.

Seite 1:

Im Auge des Tigers

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%