Viele Todesopfer
Dramatisches Zugunglück in Indien

Dramatische Szenen nach einem Zugunglück auf einer Brücke an der Westküste Indiens, bei dem mindestens 25 Menschen getötet und 100 verletzt wurden. Drei Wagen mit mindestens 60 Passagieren stürzten von der 30 Meter hohen Brücke und blieben senkrecht in der Luft hängen.

HB NEU DELHI. Auch Stunden nach dem Unfall konnten Rettungskräfte nicht zu den Eingeschlossenen vordringen. Der Matsayagandha Express von Mangalore nach Bombay war am Mittwoch nahe der Brücke mit Felsbrocken zusammengestoßen. Ursache war ein Erdrutsch durch heftigen Regen.

Der Unfall ereignete sich gegen 6 Uhr bei Raigadh 150 Kilometer südlich von Bombay. 11 der 14 Waggons mit rund 1000 Passagieren entgleisten. Fünf wurden von niederstürzenden Felsbrocken stark beschädigt. Nach Angaben des staatlichen Fernsehkanals Doordarshan könnte die Zahl der Toten von rund 25 auf mindestens 50 steigen.

Bewohner nahe gelegener Dörfer sahen, wie Beine und Arme der in den herabhängenden Waggons Eingesperrten aus zerbrochenen Fenstern ragten. Sie hatten aber keine Möglichkeit, zu helfen. In der bergigen Region ist der schnellste Weg zur Unfallstelle die Bahnlinie, die aber blockiert war. Rettungskräfte kamen nicht durch. Geschockte Überlebende warteten im strömenden Regen stundenlang auf Hilfe. In dem Flussbett lagen Zugtüren, Teile der Metallverkleidung, Fensterrahmen und Koffer von Reisenden verstreut.

Die indische Regierung sagte eine gründliche Untersuchung zu. Der Minister für das Bahnwesen, Laloo Prasad Yadav, kündigte Entschädigungen in Höhe von 100 000 Rupien (1800 Euro) für die Hinterbliebenen jedes Todesopfers an. Schwerverletzten sollen umgerechnet 274 Euro erhalten.

Das Unglück ereignete sich rund ein Jahr, nachdem am 22. Juni 2003 auf der Strecke Dutzende von Bahnfahrern getötet wurden, als ebenfalls ein Zug nach einem Erdrutsch in Felsbrocken auf den Gleisen raste. Danach hatte die Bahngestellschaft vorübergehend eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 40 Stundenkilometer angeordnet. Der Matsayagandha Express war nun mit Tempo 95 unterwegs. Außerdem wurden einige Sicherheitsverbesserungen wie Warnvorrichtungen für die Lokführer und Stahlnetze gegen Steinschlag in Kraft gesetzt.

Die betroffene Konkan-Bahn ist nach der Westküste Indiens benannt und erst seit sechs Jahren in Betrieb. Die ehrgeizigen Bauarbeiten hatten sieben Jahre gedauert, da die malerische Strecke durch unwegsames Gelände führt und mit 92 Tunneln und 2000 Brücken ausgestattet werden musste.

In Indien kommt es immer wieder zu schweren Zugunglücken. Einer der schlimmsten Unfälle mit bis zu 500 Todesopfern ereignete sich 1999 im Bundesstaat West-Bengalen im Osten des Landes. Das indische Schienennetz - mit mehr als 60 000 Kilometern Gesamtlänge eines der größten der Welt - ist auf weiten Strecken marode.

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