Viele Verletzte
Schießerei in Wiener Sikh-Tempel

Angriff mit Dolchen und Pistolen: Bei einer blutigen Auseinandersetzung zwischen rivalisierenden Gruppen der indischen Sikh-Religionsgemeinschaft sind in der österreichischen Hauptstadt zahlreiche Menschen verletzt worden.

dpa WIEN. Bei einem blutigen Streit zwischen zwei rivalisierenden Gruppen der indischen Sikh-Religionsgemeinschaft sind am Sonntagnachmittag in einem Wiener Sikh-Tempel mindestens elf Menschen zum Teil lebensgefährlich verletzt worden. Nach Angaben der Nachrichtenagentur APA war es während der Predigt eines extra aus Indien angereisten Gurus zu der Auseinandersetzung gekommen.

Widersprüchlichen Augenzeugenberichten zufolge hatten zwischen 150 und bis zu 350 Anhängern der Glaubensrichtung an der religiösen Feier in dem Ende 2005 eröffneten Tempel teilgenommen. Mitten in der Zeremonie drangen mehrere bärtige und turbantragende Männer in den Tempel ein und zogen dolchähnliche Messer und eine Pistole.

„Plötzlich haben sie eine Waffe genommen und gezielt auf die Prediger geschossen“, berichtete eine Augenzeugin. Daraufhin stürzten sich Gläubige auf die Angreifer, überwältigten sie und verletzten sie schwer. Offiziell sprachen Rettungskräfte von mindestens elf zum Teil lebensgefährlich verletzten Sikhs. Zahlreiche Leichtverletzte hätten sich selbst in Sicherheit gebracht, teilte ein Polizeisprecher mit.

Unter den Gläubigen brach Panik aus. „Die Leute - Kinder und alle anderen - sind hinausgerannt. Sie sind um ihr Leben gelaufen“, erzählte eine Frau. Entgegen ersten Angaben blieb der aus Indien eingeflogene Sikh-Guru unverletzt. Auch unter den anwesenden Frauen und Kindern gab es keine Verletzten.

Bei dem Guru soll es sich um einen Sikh-Geistlichen handeln, der in Indien viele Anhänger hat. Er hatte bereits früher in dem Wiener Tempel Predigten gehalten, die aber von den Anhängern einer rivalisierenden Sikh-Gruppe nicht akzeptiert worden seien. Sie hätten auch immer wieder Drohungen dagegen ausgesprochen. Deshalb sei die Polizei von der Veranstaltung am Sonntag vorab informiert worden.

Möglicherweise handelte es sich bei dem Streit um einen Konflikt zwischen streng religiösen, traditionalistischen und weniger religiösen Sikh-Gruppen. Unter den Gläubigen des angegriffenen Sikh-Tempels befinden sich Berichten zufolge kaum turbantragende und bärtige Männer. Turban, lange Haare und ungeschnittene Bärte bei den Männern gehören jedoch zu den typischen Glaubensvorschriften der Sikh-Religion.

In Österreich leben nach der jüngsten Volkszählung knapp 2800 Sikhs, die Hälfte von ihnen hat einen österreichischen Pass.

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