Vier-Punkte-Plan
USA setzen den Piraten nach

Die US-Regierung gibt sich mit dem Erfolg bei der Befreiung eines amerikanischen Kapitäns nicht zufrieden. Sie will den Piraten vor Somalia endgültig das Handwerk legen und hat dazu einen Vier-Punkte-Plan vorgestellt.

KAPSTADT/DÜSSELDORF. Besonders vielversprechend sei es, die Bankkonten der Freibeuter und ihrer Hintermänner einzufrieren, sagte Außenministerin Hillary Clinton. Zwar sei es richtig, langfristig die Armut und Rechtlosigkeit in Somalia zu bekämpfen. Aber bevor das Haus wiederaufgebaut wird, muss erstmal das Feuer gelöscht werden", sagte Clinton.

Dabei wollen die USA auf eine Strategie zurückgreifen, die sie bereits im Kampf gegen islamische Extremisten anwenden: "Wir stellen fest, dass Piraten immer bessere Ausrüstung und immer schnellere Boote kaufen." Dafür seien Finanztransfers nötig, die es zu unterbrechen gelte. Auch will Washington gegen Unternehmen vorgehen, die Handel mit Piraten treiben. "Die Drahtzieher der Übergriffe müssen gestoppt werden und jene, die die Überfälle ausführen, müssen vor Gericht kommen," betonte Clinton. Die USA wollen aber auch einen Gesandten zur Geberkonferenz für Somalia am 23. April in Brüssel entsenden.

Die Crew der "Maersk Alabama" kehrte unterdessen in die USA zurück. Der Kapitän der "Maersk Alabama", Richard Phillips, war nach fünf Tagen in Geiselhaft von Scharfschützen der US-Navy in einer spektakulären Aktion befreit worden. Die Erschießung von drei Piraten löste jedoch auch Sorgen vor Vergeltungsschlägen aus. Bereits am Montag geriet der griechische Frachter "MS Irene" in die Fänge der Piraten. Kurz darauf wurden das libanesische Frachtschiff "MS Sea Horse" und zwei ägyptische Fischerboote gekapert. Das vorerst letzte Anschlagsziel war am Dienstag der US-Frachter "Liberty Sun". Nach Angaben seiner Reederei in New York hatten bewaffnete Piraten versucht, das Schiff mit Hilfe von Panzerabwehrraketen und automatischen Waffen in ihre Gewalt zu bringen. Allerdings konnte der mit Hilfsgütern beladene Frachter entkommen. Es war die fünfte Attacke vor Somalia binnen 48 Stunden - ein Indiz dafür , dass die Lage am Horn von Afrika zunehmend außer Kontrolle zu geraten droht.

Zwar wächst die Flotte der internationalen Kriegsschiffe vor Somalia ständig an - aber auch ihr Aufgabenbereich. So sollen sie nun auch die Verlegung eines neuen Internetkabels vor Piraten schützen, kündigte Kenias Informationsminister Samuel Poghisio an. Der Verlauf des 5000 Kilometer langen East African Marine Cable wurde bereits aus Furcht vor Angriffen um 200 Kilometer verschoben. Die Verbindung zwischen Kenia und den Vereinigten Arabischen Emiraten wäre die erste schnelle Kommunikationsverbindung in Ostafrika.

Experten sind sich längst einig, dass dem Welthandel empfindliche Einbußen drohen, wenn die internationalen Marineeinheiten vor Somalias Küste nicht mit mehr Härte gegen die Piraten vorgehen und neben den Schnellboote vor allem auch die Mutterschiffe zerstören. Am Mittwoch griff die französische Fregatte "Nivôse" erstmals ein kleines Piraten-Mutterschiff an und nahm elf Seeräuber fest. Während Piratenangriffe in anderen Weltgegenden wie vor Nigeria hauptsächlich auf den Diebstahl von Transportgut abzielen, ist es den Somaliern dank der internationalen Rechtsunsicherheit im eigenen Land möglich, sich auf die Entführung ganzer Schiffe und das Erpressen von Lösegeld zu spezialisieren. Daher könnten demnächst die Luxusjachten der Superreichen ins Visier der Piraten geraten. Die Boote befinden sich im Winter oft im Indischen Ozean und fahren im Frühling über den Suezkanal ins Mittelmeer.

Nach Angaben von Cyrus Mody, Geschäftsführer des Internationalen Schifffahrtbüros, fahren jedes Jahr rund 25 000 Handelsschiffe durch die gefährdete Wasserstraße am Horn von Afrika. Damit zählt die Region zu einer der wichtigsten Routen im Rahmen des globalisierten Handels. Etwa elf Prozent des weltweit verschifften Rohöls sowie ein Großteil der Waren aus Asien gelangen über den Suezkanal nach Europa. Die Route ist um rund zehn Tage kürzer als eine Umrundung der Südspitze Afrikas.

Als Reaktion darauf wählen einige von ihnen für ihre Schiffe mittlerweile die längere und damit kostenspieligere Route um das Kap der guten Hoffnung, zumal es durch die Konvoibildung im Suezkanal dort vor den Schleusen immer öfter zu Staus und teuren Liegezeiten kommt. Die norwegische Chemietanker-Reederei Odfjell will deshalb künftig den Suez-Kanal meiden; Frontline Ltd. Betreiber einer der weltweit größten Tankerflotte, trägt sich mit ähnlichen Gedanken, auch wenn der Umweg bei einem Supertanker zurzeit mit rund einer Mio. Dollar zu Buche schlagt, was 50 Cent pro Ölfass entspricht.

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