Villepin empfängt junge Erwachsene
Hunderte Festnahmen nach Pariser Ausschreitungen

Die Krawalle in Frankreich weiten sich von Paris aus immer mehr aus - erst in die Provinzen, jetzt auch in andere große Städte. Premierminister Dominique de Villepin hat am Freitag 16 junge Erwachsene aus Problemvierteln zu einem Gespräch empfangen.

HB PARIS. Einige der Männer und Frauen zwischen 18 und 25 Jahren seien Schüler und Studenten, andere arbeitslos oder in Billigjobs beschäftigt, teilte Villepins Büro in Paris mit. Die Gespräche gehörten zu einer Reihe von Konsultationen, die Villepin mit Blick auf einen neuen Aktionsplan für die Krisensiedlungen begonnen hat.

Seit Beginn der Unruhen vor gut einer Woche wurden bereits 42 Menschen vor Gericht gebracht, darunter 17 Minderjährige. Allein in der Nacht zum Freitag nahm die Polizei 79 Randalierer fest. Fünf Beamte wurden durch Steinwürfe leicht verletzt. Auch fünf Lagerhallen gingen in Flammen auf. Erneut wurden öffentliche Gebäude wie Rathäuser, Schulen und Polizeiwachen Ziel von Attacken; ein Polizeiauto wurde mit Schrotkugeln beschossen. Zudem wurde bekannt, dass in der Vornacht eine Behinderte bei einem Angriff mit Molotow- Cocktails auf einen Bus schwere Verbrennungen erlitt. Jugendliche hätten die 56-jährige mit Benzin begossen, berichtete die Presse.

Der Chef der Polizeigewerkschaft Synergie, Bruno Beschizza, machte „radikale Islamisten“ für die „neue Form des Terrorismus in den Städten“ mitverantwortlich. Die Islamisten nutzten einen Tränengaseinsatz bei einer Moschee, um Jugendliche aufzustacheln. Außerdem nutzten Rauschgifthändler mit finanziellen Interessen die Lage, um dem Staat zu zeigen, dass sie Herr ihrer Territorien seien.

Die seit über einer Woche andauernden Unruhen in Frankreich haben sich im Land ausgebreitet. Nach Paris wurden auch andere große Städte wie Marseille, Dijon und Le Havre von der Gewaltwelle erfasst. Dort wurden in der Nacht zum Freitag mehrere Polizisten bei Ausschreitungen verletzt und dutzende meist jugendliche Randalierer festgenommen, die Autos in Brand setzten. Nach einer ersten Bilanz nahm die Polizei in den vergangenen acht Tagen 230 Unruhestifter fest, insgesamt gingen 1260 Autos in Flammen auf. Innenministers Nicolas Sarkozy geriet wegen seiner Verbalattacken gegen die Unruhestifter zunehmend unter Druck. Die sozialistische Opposition forderte seinen Rücktritt.

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