Viren-Bilanz 2005
Immer mehr gezielte Hacker-Attacken

Im auslaufenden Jahr änderte sich die Virenszene dramatisch. Es wurden über 15 000 neue Schädlinge gefunden. Dabei nahm der Anteil hinterhältiger Trojaner drastisch zu. Zudem sind die Virenprogrammierer immer mehr auf Geld aus.

hiz DÜSSELDORF. Nach dem "Security Threat Management Report" der Antivirenspezialisten von Sophos hat die Virenszenen sich in den vergangenen Monaten stark verändert. "Sicher ist, dass der Trend zur Professionalisierung zunimmt", kommentiert Pino von Kienlin, Geschäftsführer der Sophos GmbH Deutschland, die Entwicklung. Während in der Vergangenheit der "Ruhm" für die Autoren von digitalen Schädlingen im Vordergrund stand, ist nun zunehmend der Profit die Triebfeder für die kriminellen Handlungen.

Trotzdem zeigt der Report, dass alte Bekannte immer noch den höchsten Verbreitungsgrad haben. Die beiden erfolgreichsten Viren Zafi-D und Netsky-P sind seit 2004 im Internet unterwegs. Erst an dritter Stelle kommt Sober-Z, der im November diesen Jahres erstmals sein Unwesen trieb. In Spitzenzeiten enthielt weltweit jede 13. versendete E-Mail einen mit Sober-Z infizierten Anhang.

Insgesamt registrierten die Computersicherheits-Spezialisten 15 907 neue Schadprogramme und damit 5183 Schädlinge mehr als im vergangenen Jahr. Vor allem die Zahl an Trojanern, die darauf abzielen, geheime Daten der PC-Anwender auszuspionieren oder die infizierten Rechner für den Versand von Spam-Mails zu missbrauchen, stieg 2005 drastisch an. "Bei ihren Attacken konzentrieren sich die Cyber-Kriminellen auf eine kleinere Anzahl an PC-Anwendern. So können sie ihre Opfer mit maßgeschneiderter Schadsoftware gezielt angreifen und ihre Chancen erhöhen, durch das Sicherheitsnetz zu schlüpfen", erläutert Christoph Hardy, Security Consultant bei Sophos die Situation. So erregt der Fall einer Firma in Israel Aufsehen, die mittels eines speziell für diesen Fall entwickelten Virus ausspioniert wurde. "Die werden wir mit Virenscannern nie erwischen", klagt Sophos Chef Pino von Kienlin.

Verstärkt wird der Trend durch die verhängnisvolle Koalition zwischen kriminellen Virenschreibern und Spammern. Trojaner haben im Gegensatz zu Viren und Würmer keine Routinen zur automatischen Verbreitung. Sie sind deshalb auf Spam-Methoden angewiesen um ihre Opfer zu erreichen. Auf den befallenen Rechnern spionieren sie vertrauliche Daten aus und senden diese an den Aussender zurück. Ansonsten verstecken sie sich möglichst unauffällig im Betriebssystem. Im Vergleich zu Internet-Würmern wurden 2005 rund zweimal so viele neue Trojaner verbreitet. Damit stieg der prozentuale Anteil an Schadsoftware, die Spyware-Komponenten enthält, von 54,2 Prozent im Januar 2005 auf 66,4 Prozent zum Ende dieses Jahres.

Diese Entwicklung bestätigt die Vermutung, dass die Viren-Programmierer mittlerweile mehr auf gezielte Attacken setzen, als auf breit gestreute Angriffe. Trojaner ermöglichen es den Hackern, vertrauliche Daten auf den Rechnern der betroffenen User auszuspionieren oder Massen-E-Mails zu versenden, ohne dass die Anwender dies merken.

Neue Trojaner-Varianten verbreiten sich zunehmend durch den Massen-Versand über Zombie-PCs, dass sind verseuchte Rechner, die von kriminellen Elementen als Relaisstation missbraucht werden. Deshalb überrascht es die Fachleute auch nicht, dass die meisten der Top-Ten-Viren zu dieser Schädlingskategorie gehören. Unerwünschten Werbemails werden über solche Zombie-PCs verschickt. Mittlerweile stammen mehr als 60 Prozent aller weltweit versendeten Spam-Mails von speziell dafür manipulierten Rechnern ahnungsloser Computeranwender.

Die Analyse zeigt außerdem, dass ungeschützt Rechner immer schneller Opfer von Viren und Würmern werden. "Ein ungeschützter PC im Internet ist mit einer Wahrscheinlichkeit von 40 Prozent innerhalb von 10 Minuten infiziert. Nach einer Stunde liegt die Chance über 90 Prozent", unterstricht Pino von Kenlin die Notwendigkeit eines aktuellen Virenschutzes.

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