Vogelgrippe: Asien kriegt die Seuche nicht in den Griff

Vogelgrippe
Asien kriegt die Seuche nicht in den Griff

Während Deutschland den Ausbruch der Vogelgrippe erlebt, hält die hoch ansteckende Viruskrankheit Asien seit Monaten in Atem. Experten warnen bereits davor, die Aufmerksamkeit nun zu stark auf Europa zu richten. Eine Vogelgrippen-Pandemie werde nicht in der Türkei oder in Deutschland ausbrechen, so WHO-Sprecher Peter Cordingley in Manila. „Hier in Südostasien ist Ground Zero“, sagt der WHO-Mann.

PEKING. Auch Haruhiko Kuroda, Präsident der Asian Development Bank (ADB), hat schon vor Wochen vor den Folgen einer weltweiten Ausweitung des Virus gewarnt: „Die Auswirkungen für Asien und die Weltwirtschaft können enorm sein.“

Kuroda sieht Asien durch seine hohe Bevölkerungszahl besonders stark gefährdet. Hier hat die Vogelgrippe ihren Ursprung. Erstmals war die Krankheit 1997 in Hongkong aufgetreten. Seit Anfang 2004 hatte sie sich dann von Südkorea aus über die gesamte Region verbreitet. In China gab es 2005 den ersten menschlichen Todesfall. Bislang sind laut WHO 82 Menschen in der Region gestorben.

China gilt als besonderer Gefahrenherd, da hier 1,3 Milliarden Chinesen auf engem Raum und meist dicht bei ihren Tieren leben. Mit 14 Milliarden Stück Geflügel hat China ein Fünftel der weltweiten Bestände, meist in privaten Hinterhöfen. China ist zudem der zweitgrößte Geflügelfleischproduzent der Welt. Allerdings ist die Branche nicht so stark industrialisiert wie etwa in Thailand und damit nach Ansicht von Experten schwerer kontrollierbar. „Solange es in China Ausbrüche bei Geflügel gibt, können wir davon ausgehen, dass Menschen infiziert werden“, sagt Henk Bekedam, WHO-Vertreter in Peking.

Nach Angaben der Regierung wurde bis Ende 2005 jedes zweite Federvieh im Land geimpft. 22 Millionen Tiere wurden bereits getötet. Experten verweisen jedoch darauf, dass eine Totalimpfung unmöglich ist und dass Wildvögel und Zugvögel weiter eine Gefahr bleiben. Fast alle großen Zugvögel-Routen gehen über China.

Vergangene Woche wurde im Reich der Mitte der achte menschliche Todesfall durch das H5N1-Virus bestätigt. Der Erreger breitet sich seit vergangenen Oktober relativ schnell in China aus. Wegen der schlechten medizinischen Versorgung auf dem Lande sei die Todesrate besonders hoch, so das chinesische Gesundheitsministerium.

Allerdings hat China nach WHO-Einschätzung im Vergleich zur Lungenkrankheit Sars sowohl seine Informationspolitik als auch die Prävention deutlich verbessert. In Ländern wie Kambodscha und Indonesien fehle es dagegen am Geld und oft auch am Willen. Indonesien hat dieses Jahr bisher nach der Türkei die meisten menschlichen Fälle gemeldet. Durch die Häufung steige die Möglichkeit einer Mensch-zu-Mensch-Übertragung, stimmt die Regierung die Welt auf den nächsten Vogelgrippen-Schock ein. Es ist nur eine Frage der Zeit.

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