Vogelgrippe

Erreger breitet sich immer schneller aus

In elf Bundesländern ist die Vogelgrippe inzwischen nachgewiesen. Eine bundesweite Stallpflicht wird immer wahrscheinlicher. Verschärfte Schutzmaßnahmen sind per Eilverordnung bereits beschlossen worden.
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In mittlerweile elf Bundesländern, darunter NRW, konnte der gefährliche H5N8-Erreger bereits nachgewiesen worden. Die Stallpflicht, die bisher noch je nach Risikolage gilt, dürfte deshalb kurzfristig bundesweit in Kraft treten. Quelle: dpa
Die Vogelgrippe breitet sich aus

In mittlerweile elf Bundesländern, darunter NRW, konnte der gefährliche H5N8-Erreger bereits nachgewiesen worden. Die Stallpflicht, die bisher noch je nach Risikolage gilt, dürfte deshalb kurzfristig bundesweit in Kraft treten.

(Foto: dpa)

Greifswald-Riems/Berlin/KopenhagenDie Vogelgrippe breitet sich weiter in Deutschland aus. Der hochansteckende Erreger H5N8 ist nach Angaben des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) auf der Insel Riems inzwischen bei Wildvögeln in elf Bundesländern nachgewiesen worden, in zwei davon – Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein - sind auch Nutzgeflügelbestände betroffen.

Damit erfolge die Ausbreitung des Erregers derzeit mit großer Dynamik, urteilte das Institut in einer aktualisierten Risikoanalyse. Nachdem anfänglich nur der äußerste Norden und Süden Deutschlands betroffen war, mehrten sich nun auch Funde in den übrigen Gebieten Deutschlands.

Wie gefährlich ist die Vogelgrippe?
Keine weiteren Verdachtsfälle auf Vogelgrippe in MV
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Ist H5N8 gefährlich für Menschen?

Bisher ist weltweit noch kein Mensch mit dem Virus H5N8 infiziert worden, auch nicht in Südkorea, wo es bereits 30 Ausbrüche in Geflügelbeständen gegeben hat. „Es sieht so aus, dass H5N8 nicht so leicht auf den Menschen übertragbar ist“, so Elke Reinking vom Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI), der Bundeseinrichtung für Tiergesundheit auf der Insel Riems bei Greifswald. „Das ist eine gute Nachricht.“

Bird Flu outbreak in Yorkshire, Britain
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Wie kam das Virus in europäische Geflügelställe?

Das wird noch untersucht. „Wir schauen ergebnisoffen in alle Richtungen“, so Reinking. „Bisher gibt es keine Belege für eine Verbindung der Ausbrüche in Europa mit Waren- oder Tiertransporten. Das wurde und wird auch noch weiter geprüft.“ Der Fund einer infizierten Wildente auf Rügen am vergangenen Wochenende stütze eher die Hypothese, dass Wildvögel an der Übertragung beteiligt sind.

Vogelgrippe - Geflügel
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Der Ornithologe Franz Bairlein von der Vogelwarte Helgoland hält den internationalen Handel aber nach wie vor für eine Möglichkeit der Übertragung: „Die Wahrscheinlichkeit, dass die Vogelgrippe über einen Wildvogel übertragen wurde, ist nicht größer, als dass es über internationale Tierprodukte erfolgt ist.“

Vogelgrippe - Nachweis bei Wildvogel
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Wie kann das Vogelgrippe-Virus aus Asien nach Europa gelangen?

Krickenten – die infizierte Wildente auf Rügen war eine solche – brüten bis nach Sibirien hinein. Der Zug aus den Brutgebieten in Richtung Westen passe ganz gut ins Bild, so Reinking. Es sei durchaus vorstellbar, dass Vögel, die bis nach Europa flogen, sich in Sibirien bei Vögeln aus Asien infiziert haben. Es könne aber auch sein, dass unterwegs wiederum andere Vögel angesteckt wurden, die das Virus weiter trugen. „Das ist noch ein weißer Fleck.“

Legehenne
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Wildvögel werden offenbar nicht krank, wenn sie das Virus in sich tragen, weshalb es keine Berichte über Massensterben an Rastplätzen zwischen Sibirien und Europa gibt. Das war bei H5N1 anders – dem Erreger, der 2003 eine Vogelgrippe-Epidemie in Deutschland auslöste.

Geflügelpest
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Woran arbeiten die Wissenschaftler aktuell in Sachen H5N8?

Im Friedrich-Loeffler-Institut wird gerade an einer Risikobewertung für Geflügelbestände gearbeitet. Auch suchen die Wissenschaftler immer noch nach dem genauen Weg, den das Virus in die Putenmast in Heinrichswalde (Landkreis Vorpommern-Rügen) genommen hat. Dort gab es Anfang November den ersten Ausbruch der Geflügelpest mit dem derzeit grassierenden Virus H5N8 in Europa. Rund 30.000 Puten mussten getötet werden, nachdem 2000 an der Krankheit verendet waren.

An diesem Dienstag soll erneut der zentrale Krisenstab beraten, dem Vertreter von Bund und Ländern, Tierärzte und Experten angehören. Dabei dürfte auch eine mögliche bundesweite Stallpflicht auf die Agenda kommen. Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU) hatte entschieden, die Vorbereitungen dafür zu treffen. „Wir nehmen die Ausbreitung der Vogelgrippe in Deutschland sehr ernst“, sagte er.

Am Montag trat bereits eine Eilverordnung in Kraft. Demnach müssen nun auch kleinere Betriebe strenge Sicherheitsmaßnahmen treffen. Demnach dürfen keine Unbefugten in die Ställe, Tierhalter müssen Schutzkleidung tragen sowie Hände und Stiefel desinfizieren können. Zuvor galten solche Vorgaben nur für Betriebe mit mehr als 1000 Tieren.

Der Erreger war seit Anfang November in sieben Geflügelbeständen nachgewiesen worden, darunter in einem Großbetrieb mit 30.000 Hühnern im schleswig-holsteinischen Grumby sowie sechs kleineren Haltungen. Das Friedrich-Loeffler-Institut hält bei den betroffenen privaten Geflügelhaltungen einen Eintrag über den direkten Kontakt mit infizierten Wasservögeln für wahrscheinlich.

In dem Geflügelbetrieb in Grumby mit 30.000 Hühnern war als „wahrscheinlichste Ursache“ laut FLI der indirekte Eintrag für den Ausbruch der Geflügelpest ermittelt worden. Genauere Angaben machte das Institut nicht. Indirekt eingetragen werden kann der Erreger beispielsweise über durch Wildvögel verunreinigtes Futter und Wasser, durch verunreinigte Einstreu, Gerätschaften, Fahrzeuge oder Schuhwerk.

Auch in Dänemark ist nach mehreren Fällen bei Wildvögeln inzwischen ein Geflügelbestand betroffen. Dort war das Vogelgrippevirus H5N8 zum ersten Mal bei Zuchtenten festgestellt worden. Die Tiere gehören einem Hobbyzüchter in Ålsgårde in Nordseeland, teilten die dänischen Veterinär- und Lebensmittelbehörden am Montag mit. Ein Drittel der 30 Enten sei am Wochenende gestorben.

Insgesamt sind laut Bundesagrarministerium mittlerweile 226 Fälle von H5N8 bei Wildvögeln gemeldet. Dabei handele es sich laut FLI zum Teil nur um Erstmeldungen. Die Zahl der betroffenen Wildvögel sei weitaus höher. Weitere Verdachtsfälle werden noch abgeklärt. Bei Hausgeflügel gibt es sieben bestätigte Fälle.

  • dpa
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1 Kommentare zu "Vogelgrippe : Erreger breitet sich immer schneller aus"

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  • "Herr Fritz Porters - 18.11.2016, 11:43 Uhr

    @ Herr Hoffmann

    ich habe nicht diesen enormen politischen Sachverstand wie Sie, aber die von Ihnen beschriebene "Grünen-Sozialistischen Vernichtungspolitik".... ist das sowas wie ein "Gemüseauflauf"? :-D
    Herrlich, die Kommentare sind echt Comedy... einige Artikel im HB sind echt besorgniserregend, aber die Kommentare können einem das Lachen zurückzaubern. Danke ...muss weiter arbeiten...aber nachher schaue ich noch mal in die Kommentare...will doch auch später noch was zu schmunzeln haben..."

    @Porters

    VIELEN DANK Herr Porters,
    es ist wirklich ein immenser Zeitaufwand, von morgens bis abends zu jedem Artikel so witzige Kommentare zu schreiben.
    Bei manchen Artikeln sogar mehrere.
    Schön das Sie das zu schätzen wissen.

    Aber die Ehre gebührt nicht mir alleine. An den Comedy-Kommentaren sind noch weitere Leute beteiligt die auch gewürdigt sein wollen:
    Paff, von Horn, Trautmann, Vinci Queri, Delli, Bollmohr......

    ohne sie wäre ich hier sehr einsam !
    Danke

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