Vogelgrippe
„Föderales System kontraproduktiv“

Deutschland ist nach Einschätzung von Experten nur unzureichend auf eine mögliche Vogelgrippe-Epidemie unter Menschen vorbereitet. Die verantwortlichen Politikern in den Bundesländern wiegeln jedoch ab. Großunternehmen wollen sich auf die behördlichen Strategien nicht verlassen.

HB BERLIN. Renee Gottschalk, Leiter der Epidemiezentren in Hessen und Rheinland-Pfalz, sagte am Freitag, frühestens Ende März würden alle Bundesländer individuelle Notfallpläne für eine Vogelgrippe-Epidemie erstellt haben. „Wenn es zu einer Epidemie kommt, ist das föderale System kontraproduktiv“, sagte Gottschalk. Ein zentralisierter Plan für alle Länder zur Medikamenten-Bevorratung wäre sicherlich sinnvoller gewesen und hätte eine chaotische Situation wie derzeit verhindert.

Derzeit ist das Robert-Koch-Institut die zentrale Stelle für die Seuchenkontrolle und -prävention in Deutschland. Das Institut empfiehlt den Bundesländern in seinem Pandemieplan, für 20 Prozent der Bevölkerung einen Vorrat an Grippemedikamenten vorzuhalten. Die meisten Länder sind allerdings noch weit entfernt von diesem Ziel. Die Mehrzahl der Länder verfügt über entsprechende Medikamentenvorräte für weniger als neun Prozent der Bevölkerung. Schlusslicht ist dabei Sachsen-Anhalt mit 5,6 Prozent. Die beste Ausstattung haben Nordrhein-Westfalen mit 30 Prozent und Bayern mit 15 Prozent.

Der Vorsitzende der Gesundheitsministerkonferenz, der sachsen-anhaltinische Gesundheitsminister Gerry Kley meinte jedoch, im Fall einer ersten Vogelgrippe-Epidemie unter Menschen werde keinen Engpass an Medikamenten in Deutschland geben. Länder und Großunternehmen hätten bislang einen Arzneimittelvorrat für mindestens vier bis fünf Prozent der Bevölkerung zugelegt. Diese Quote entspreche den Erfahrungen mit der Spanischen Grippe von 1918 oder ähnlichen Pandemien, die immer erst „in einer schwachen Welle“ aufgetaucht seien.

Bund und Länder setzten für den Fall des Falles vor allem auf die Entwicklung eines geeigneten Impfstoffs für die folgende „große Welle“, sagte Kley. Die letzten Verträge dafür seien am vergangenen Montag unterzeichnet worden, so dass „garantiert ist, dass sehr schnell Impfstoffe für 80 Millionen Einwohner“ zur Verfügung stünden.

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