Vogelgrippe in Deutschland
Auf dünnem Eis

Nach dem Ausbruch der Vogelgrippe in Deutschland warnen Politiker und Gesundheitsexperten vor Panik. Die Gefahr einer Virusübertragung auf den Menschen sei äußerst gering. Zahlreiche Schutzmaßnahmen sollen die Ausbreitung der Tierseuche verhindern. Selbst die teilweise Schließung der Außengrenzen ist im Gespräch.

BERLIN/BRÜSSEL. Bund und Länder verschärfen ihre Schutzmaßnahmen. Noch in der Nacht zum Mittwoch – nur Stunden nach Bekanntwerden der ersten Vogelgrippe-Fälle – ordnete Bundesverbraucherschutzminister Horst Seehofer (CSU) an, dass deutsche Hühner bereits ab Freitag in den Stall müssen. Ohne eine EU-weite Koordinierung sei dem Virus jedoch nicht beizukommen. Daher will Seehofer am Montag im EU-Agrarministerrat auf eine EU-weite Stallpflicht drängen, sagte er nach einer Sitzung des nationalen Krisenstabes Tierseuchenbekämpfung, der die Lage „sehr ernst“ nannte. Eine EU-weite Stallpflicht fordert auch der Vorsitzende des Gesundheitsausschusses im EU-Parlament, Karl-Heinz Florenz (EVP/CDU).

Das Risiko einer Übertragung auf Hühner „auf null zu fahren“ werde allerdings trotz Stallpflicht und Verbot von Geflügelmärkten nicht möglich sein, räumte Seehofer ein. Um parallel die Gefahr illegaler Importe zu drosseln, müsse die EU endlich eine Deklarationspflicht für Reisende einführen. Sein bayrischer Kollege Werner Schnappauf (CSU) forderte, die EU müsse „die Außengrenzen dichtmachen“, um den „großen Seuchenzug aufzuhalten“. Es sei nicht akzeptabel, dass bei Stichproben große Mengen illegal importierter Geflügelprodukte auftauchen – allein am Münchener Flughafen seit September drei Tonnen. Wenn Brüssel das Problem nicht löse, „müssen wir über eine punktuelle Aussetzung des Schengen-Abkommens nachdenken“.

Die Fachminister von Bund und Ländern sowie die beteiligten Experten waren sich einig, dass die Vogelgrippefälle von Rügen wohl erst der Anfang sind. Noch während der Krisenstab tagte, wurde denn auch ein toter Habicht gemeldet, der wie die beiden Schwäne zuvor mit dem H5N1-Virus infiziert war. Eine endgültige Bestätigung durch das EU-Referenzlabor in Großbritannien steht noch aus. Seehofer appellierte an die Bevölkerung, tote Wildvögel auf keinen Fall anzufassen und der Polizei oder Veterinärämtern zu melden.

Zugleich warnte der Krisenstab vor Panik. Für Verbraucher bestehe keine Gefahr: Auf mindestens 70 Grad erhitztes Geflügelfleisch oder Eier könnten ohne Bedenken verzehrt werden. Zudem seien bislang ausschließlich Wildvögel betroffen.

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