Vogelgrippe
Strengere Regeln in Schleswig-Holstein sollen Ausbreitung verhindern

Die aggressive Tierseuche breitet sich immer weiter aus. Experten stufen die Lage in Ungarn als bedenklich ein, während in Deutschland mit strengeren Maßnahmen versucht wird, die Vogelgrippe einzudämmen.
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Kiel/BudapestIn Ungarn erfasst die Geflügelpest immer mehr Betriebe – in Schleswig-Holstein soll eine solche Entwicklung mit noch strengeren Schutzmaßnahmen verhindert werden. Von Donnerstag an gelten auch für kleinere Betriebe mit weniger als 1000 Tieren strenge Anforderungen, wie das Landwirtschaftsministerium am Montag in Kiel ankündigte.
Dazu gehört, dass in Ställen gesonderte Schutzkleidung getragen werden muss. Transportmittel und Behältnisse sind nach jeder Verwendung zu desinfizieren. Auch wenn alle Maßnahmen darauf abzielten, lasse sich ein neuer Fall allerdings nicht ausschließen, sagte eine Ministeriumssprecherin.

Am Samstag war bundesweit erstmals in einer Massentierhaltung die gefährliche H5N8-Variante nachgewiesen worden. Alle 30 000 Hühner des Betriebes in Grumby (Schleswig-Holstein) waren getötet worden. In Dänemark wurden mehrere Hunderttausend Eier aus dem Betrieb vorsichtshalber vernichtet.
Die Angst vor weiteren solchen Fällen ist groß. „Auch wenn die Lage hierzulande aktuell noch überschaubar ist, müssen wir auf das Schlimmste vorbereitet sein“, mahnte Mecklenburg-Vorpommerns Agrarminister Till Backhaus (SPD) in Schwerin.
In dem Bundesland gilt seit Montag die Stallpflicht, die meisten Geflügelhalter haben ihre Tiere bereits in Ställen untergebracht. Einige Halter vor allem von Enten oder Gänsen beantragten mangels Platz Ausnahmegenehmigungen. Auch Tierparks leiteten Schutzmaßnahmen ein. Im Vogelpark Marlow wurde das Wassergeflügel in überdachte Volieren gesperrt, die begehbaren Gehege der Wellensittiche und Loris wurden für die Besucher vorübergehend gesperrt. Das Saarland ordnete für seine beiden Zoos eine Stallpflicht für alle Vögel an.

In Baden-Württemberg wurde die für einige Kreise bereits bestehende Stallpflicht nach dem Fund weiterer an H5N8 verendeter Wildvögel ausgeweitet. Eier aus Freilandhaltung dürfen trotz Stallpflicht zwölf Wochen lang weiterhin als Freilandeier verkauft werden. „Bisher gibt es keine wirtschaftlichen Folgen für die Halter“, sagt eine Sprecherin des baden-württembergischen Landwirtschaftsministeriums. In Nordrhein-Westfalen sollte von Dienstag an in bestimmten Risikoregionen eine Stallpflicht gelten. In vielen anderen Bundesländern wie Thüringen und Brandenburg war dies bereits zuvor beschlossen worden.
Auch die dänische Lebensmittelbehörde wies am Montag alle Geflügelhalter an, ihre Tiere spätestens ab Dienstag drinnen oder eingezäunt unter einem Dach unterzubringen. „Enten, Gänse und Wildvögel sind aber ausgenommen, weil sie nicht drinnen gehalten werden können“, teilte die Behörde in Kopenhagen mit. Die Anordnung gilt sowohl für Hobbyhalter als auch für professionelle Geflügelzüchter.

In Ungarn sind immer mehr Ortschaften von Vogelgrippe-Ausbrüchen in Geflügelbetrieben betroffen. Die hochansteckende H5N8-Variante sei in drei weiteren Gemeinden nachgewiesen worden, insgesamt seien es damit fünf, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur MTI unter Berufung auf das ungarische Amt für Lebensmittelsicherheit (Nebih).
Einige Länder, darunter Kanada, Israel und Serbien, haben bereits Einfuhrbeschränkungen für Geflügel aus Ungarn erlassen. Tausende Tiere aus betroffenen Beständen wurden in den vergangenen Tagen vorsorglich getötet.
In insgesamt fünf Bundesländern wurden bisher infizierte Wildvögel gefunden. Ein Ende der Nachweise ist nicht in Sicht. Der Erreger gilt als ungefährlich für Menschen, ist aber eine erhebliche Bedrohung für Hausgeflügel. In Deutschland war die H5N8-Variante der aktuellen Epidemie erstmals am 8. November nachgewiesen worden.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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