Volkswirtschaftliche Folgen
Europäer werden immer dicker

Das Durchschnittsgewicht der Deutschen und anderer Europäer dürfte in den kommenden Jahren weiter steigen. Weniger betroffen könnten davon Spanier oder Italiener sein. Ernährungswissenschaftler haben die Ursache für dieses Phänomen bereits ausgemacht.

HB JENA. „Wir werden erleben, dass das Übergewicht so zunimmt wie in den USA, weil der Lebensstil immer weiter amerikanisiert wird“, sagte der Professor von der Friedrich-Schiller-Universität Jena. In Ländern mit eigenständigen Ernährungsgewohnheiten wie Spanien oder Italien sei der Trend allerdings etwas schwächer.

Das Statistische Bundesamt Wiesbaden hatte vor wenigen Tagen Ergebnisse einer Untersuchung veröffentlicht, nach der die Deutschen immer dicker werden. 58 Prozent der Männer und 42 Prozent der Frauen in Deutschland brächten zu viel auf die Waage, hieß es. Damit sei der Anteil der Übergewichtigen bei beiden Geschlechtern im Vergleich zu 1999 um zwei Prozentpunkte gestiegen.

„Die gesundheitlichen und volkswirtschaftlichen Folgen von Übergewicht werden hier zu Lande unterschätzt“, sagte Ristow, der auch einem Expertengremium angehört, das die Bundesregierung beim Gesundheitsforschungsprogramm berät.

Es gebe ein relativ geringes Bewusstsein darüber, dass es mehr als ein kosmetisches Problem ist, mit Folgeerkrankungen wie Diabetes, Bluthochdruck, Arteriosklerose, Schlaganfall oder Herzinfarkt. „Der volkswirtschaftliche Schaden von Übergewicht ist groß.“ Dennoch sei die Grundlagenforschung zu diesem Thema in den vergangenen 20 Jahren stiefmütterlich behandelt worden.

Es gebe etwa nur sehr wenige wissenschaftlich fundierte Diäten. „Dies wäre ein wichtiges Forschungsgebiet“, sagte der Professor. Zum Beispiel würden die individuellen Risikofaktoren für die Gewichtszunahme, über die die Betroffenen keine Kontrolle haben, zu wenig beachtet. „Die gleiche Kalorienmenge kann für einen noch in Ordnung sein und für den anderen nicht“, sagte der Wissenschaftler. „Ein Ziel der Forschung sollte es sein, das individuelle Risikoprofil für das Körpergewicht zu errechnen.“ Zur Zeit werde bei Diätprogrammen jeder gleich behandelt.“

Wenig bekannt sei auch, dass die unterschiedlichen Lebensstufen eine unterschiedliche Ernährung erfordern. „Wenn ein 35-Jähriger sich noch so ernährt wie als 15-Jähriger, wird er überwichtig“, sagte Ristow. Neben den übergewichtigen Kindern sei die Gruppe der 29- bis 35-Jährigen eine Problemgruppe. „In dieser Altersklasse gibt es hier zu Lande eine deutliche Welle der Gewichtszunahme.“

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