Vollsperrung
Erfolgsstory A40

Drei Monate war die Schlagader des Reviers wegen Bauarbeiten gesperrt. Nun rollt der Verkehr wieder. Die Vollsperrung hat sich als Alternative zu einer Langzeitbaustelle bewährt.
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EssenGeorg Timmerkamp steht glücklich auf dem Asphalt. Der 54-Jährige ist einer von vier Bauaufsehern auf der gesperrten Autobahn A40 in Essen. Drei Monate hat er jetzt hinter sich. Und ein paar Kilo abgenommen. Pfunde weg, aber nicht wegen großer Sorgen: „Diese Baustelle hat richtig Spaß gemacht. Für unsere Nerven war die Vollsperrung Gold wert, denn wir waren ja dem gefährlichen Verkehr nicht ausgeliefert wie sonst in Baustellen.“ Der enge Zeitplan und die Arbeit in Schichten war aber ungewohnt. „Da habe ich manchmal einfach vergessen zu essen“, erzählt Timmerkamp, während er einem Kollegen im Endspurt der Baustelle auf die Finger schaut.

Inzwischen rollt der Verkehr zwischen dem Autobahndreieck Essen und der Anschlussstelle Essen-Zentrum wieder. Eine Strecke von rund vier Kilometern. Die Vollsperrung wurde genutzt, um Sicherheitstechnik in einem Tunnel zu verbessern, drei Brücken zu sanieren und die Fahrbahn zu erneuern.

Hinter der Stadt Essen und den Pendlern im Ruhrgebiet liegen 85 Tage Vollsperrung. Ein Vorhaben, das bundesweit für Aufsehen gesorgt hatte. Erstmals war ein großes Straßenbauprojekt statt langwierig über zwei Jahre und mit verengten Fahrspuren in kurzer Zeit mit einer Vollsperrung realisiert worden.

Viele Skeptiker hatten mit einem Riesen-Verkehrschaos im zentralen Ruhrgebiet gerechnet. Das ist ausgeblieben. Im Vergleich zum Vorjahr gab es sieben Prozent mehr Staus. „Alles aber nicht so schlimm“, berichtet Anja Estel vom Landesbetrieb Straßen NRW. Sie hat die Verkehrszählungen ausgewertet. Zwar habe es mehr Stillstand geben, dafür aber kürzer. So gab es zusammengerechnet nicht mehr Staukilometer.

Hat das Modell Essen deshalb bundesweiten Modellcharakter? Nordrhein-Westfalens Verkehrsminister Michael Groschek (SPD) ist vorsichtig. „Alle Voraussetzungen müssen stimmen.“ Als Bedingungen nennt Straßen NRW genügend Alternativrouten und dort dann auch genügend Kapazitäten, um den zusätzlichen Verkehr aufnehmen zu können. Denn an Werktagen sind auf dem Ruhrschnellweg 90 000 Fahrzeuge unterwegs. Außerdem dürfe der Lkw-Verkehr nicht so stark sein, dass auf den Alternativrouten Störungen entstehen. Auch müsse die Verkehrsführung durch Ampelanlagen flexibel steuerbar sein.

Bei dem 20-Millionen-Projekt in Essen war das alles gegeben. Der Fernverkehr hielt sich an die weiträumige Umleitung und die Pendler nutzten die empfohlenen Alternativen. Dennoch empfiehlt Groschek: „Verkehrsexperten wissen, dass es Sinn macht auf den Abschlussbericht zu warten.“

Zu den größten Kritikern der Vollsperrung gehörten im Vorfeld die Einzelhändler in Essens Innenstadt. Sie befürchtete Umsatzeinbußen, weil ihre Geschäfte schlechter zu erreichen waren. „Es gab keine Umsatzverluste“, zog Oberbürgermeister Reinhard Paß am Freitag Bilanz. Allerdings waren „viele Bürger durch die Vollsperrung schon sehr belastet“.

Das galt nicht für die Menschen direkt an der Verkehrsschlagader. Sie hatten die ungewohnte Ruhe in den letzten drei Monaten genossen. Bei vielen von ihnen rauscht nun der Berufsverkehr wieder direkt auf Schlafzimmerhöhe vorbei.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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