Von Korsen gekaperte Fähre gestürmt
Einsatzkommando beendet „Piratenakt“

Eine etwa 50 Mann starke französische Sondereinsatztruppe hat am Mittwoch in einer spektakulären Kommandoaktion das von korsischen Seeleuten gekaperte Fährschiff „Pascal Paoli“ zurückerobert. Daraufhin blockierten nationalistische Korsen alle Häfen der Mittelmeerinsel, der Fährverkehr kam dadurch völlig zum Erliegen.

HB BASTIA. Von fünf Helikoptern aus wurden die schwarz vermummten Soldaten auf das vor Bastia im Nordosten Korsikas manövrierende Schiff abgeseilt. Gesichert von Scharfschützen stürmten sie die Brücke. Anschließend wurde das Schiff in den Militärhafen von Toulon geleitet. Vier Anführer der „Piraten“, die das Schiff am Dienstag in Marseille gekapert hatten, wurden festgenommen. Die anderen - Mitglieder der Korsengewerkschaft STC - wurden freigelassen.

Die Kommandoaktion war ein Höhepunkt im Konflikt um einen Verkauf der defizitären Korsikafähren-Gesellschaft SNCM. Die STC-Seeleute hatten das Schiff gekapert, um einen Verkauf der Staatsreederei an einen Investmentfonds und eine anschließende Sanierung zu verhindern. „Wir bringen korsisches Arbeitsgerät nach Korsika zurück“, hatte ihr Anführer Alain Mosconi erklärt. Jetzt räumt der Staat die Möglichkeit ein, einen Anteil an der Reederei zu behalten.

„Operation rundum geglückt“, lobte Verteidigungsministerin Michèle Alliot-Marie. Anschließend zeigte sich der Staat aber kompromissbereit. Regierungschef Dominique de Villepin sprach mit dem Chef der Gewerkschaft CGT, Bernard Thibault, der anschließend sagte, es gebe noch Einigungsmöglichkeiten.

Den „Chefpiraten“ drohen theoretisch wegen Geiselnahme und Schiffsentführung bis zu 20 Jahre Haft. Damit ist jedoch nicht zu rechnen. Die CGT forderte bereits ihre Freilassung. Korsische Nationalisten warfen Frankreich Kolonialismus vor. Wegen der Blockade der korsischen Häfen musste auch die private Reederei Corsica Ferries ihren Dienst einstellen.

Die SNCM schrieb 2004 knapp 30 Mill. € Verlust. Der Investmentfonds Butler Capital will SNCM für 35 Mill. € übernehmen und bis zu 400 der 2400 Stellen abbauen.

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