Von Moshammer bis zum First Gentleman
Sterne und Sternchen des Jahres 2005

2005 hat sich auch im Alltag der Menschen viel getan: "Wir" sind schließlich laut "Bild"-Zeitung jetzt Papst. Dafür sind "Heuschrecken" und "Jamaika" nun nicht mehr nur Insekten beziehungsweise ein Land in der Karibik.

HB BERLIN. Nicht nur ARD-Mann Harald Schmidt bemerkte zu Jahresbeginn, mit welcher Selbstverständlichkeit das Medieninteresse von der Tsunami-Katastrophe in Südostasien auf den Mord an Paradiesvogel Rudolph Moshammer schwenkte. Der traf seinen Mörder im Münchner Schwulenmilieu, und es löste merkwürdigerweise Verwunderung aus, dass "Mosi" auf Männer stand. Sein Mörder soll nun lebenslang hinter Gitter, und die Mode-Boutique in der Maximilianstraße hat geschlossen. Das Leben in den Klatschspalten ging weiter.

Zum Liebling des Boulevards mauserte sich Paris Hilton, die reiche Hotelerbin aus New York. Einmal trennte sie sich von ihrem Chihuahua "Tinkerbell" (angeblich, weil er zu dick geworden war), dann von ihrem Verlobten, dem Reederei-Erben Paris Latsis. In Thomas Gottschalks "Wetten, dass..?" plauderte sie über ihr Erfolgsgeheimnis: "Ich habe ein tolles, aufregendes Leben und ich bin blond." Ebenfalls ein tolles, aufregendes Leben führen jetzt Katie Holmes und Tom Cruise, der immer wieder über das Liebesglück schwärmte. Als gute Freunde wollen Til und Dana Schweiger ihre Trennung überstehen. "Unser größtes Problem war, dass wir nie genug Zeit füreinander hatten", ließen der Schauspieler und das Ex-Model mitteilen.

In der deutschen Musikszene gab es einiges an Neuigkeiten. Wer Bill, Tom, Georg und Gustav aus Magdeburg nicht kennt, hat vermutlich keine Tochter im Teenageralter. Das Quartett nennt sich Tokio Hotel, trägt diese im Schritt hängenden Jeans, mit denen sich kein Mann über 20 sehen lassen sollte, und hat mit "Durch den Monsun" einen Sommerhit gelandet. Ihre Erfolge sollen die Teenager schon so wild gefeiert haben, dass das Jugendamt im heimischen Ohrekreis in Sachsen-Anhalt hellhörig wurde. MTV fasste es auf seiner Hompepage fast ein bisschen ehrfürchtig zusammen: "Gerade erst haben sie einen Schwindel erregenden Einstieg an die Spitze der Charts geschafft, und schon benehmen sich die Jungs wie abgebrühte Rockstars."

Auch ihre Kollegin Sarah Connor blickt auf ein prall gefülltes Jahr zurück. Mit ihrer Version der Nationalhymne ("Brüh im Lichte dieses Glückes") holte sich die Sängerin bei einem Eröffnungsspiel in der spektakulären Allianz-Arena in München einige unrühmliche Schlagzeilen. Besser lief ihre Dokusoap auf Pro Sieben. Bei dieser konnte der Zuschauer verfolgen, wie sehr "Sarah & Marc in Love" sind und beobachten, wie der amerikanische Sänger Marc Terenzi in Wildeshausen (!) mit dem Fahrrad (!) zum Bäcker (!) fährt, um Brötchen (!) zu kaufen.

Popstars sind halt auch nur Menschen. Das gilt auch für Sängerin Gracia, die beim Grand Prix Finale in Kiew nur von Moldawien und Monaco je zwei Punkte bekam und auf dem letzten Platz landete. Davor gab es auch noch einen Hickhack um Chartmanipulationen.

Die ganz große Mauschelei lief auf dem Fußballplatz. Dank dem nun Ex-Schiedsrichter Robert Hoyzer hat es eine ganz neue Note bekommen, wenn Fans im Stadion "Schiebung" rufen. Und sonst? Michael Jackson wurde frei gesprochen. Heino verabschiedete sich von der Bühne.

Im Fernsehen lösten die frustrierten Hausfrauen in "Desperate Housewives" die glamourösen Singlefrauen in "Sex and the City" ab. Telenovelas und Internet- Tagebücher (Blogs) boomten. In der Zeitung gibt es neuerdings das japanische Zahlenrätsel "Sudoku".

Der Siegeszug der kleinen Apple-Musikmaschine iPod ging weiter, und auf einmal trug alle Welt bunte Gummi-Armbänder, um ein Zeichen gegen Armut oder Rassismus zu setzen. Der neue James Bond heißt Daniel Craig und der Mann an Angela Merkels Seite Joachim Sauer. Der Berliner Chemiker muss sich wohl noch daran gewöhnen, dass er jetzt zum "First Gentleman" avanciert ist. Öffentlich hält er sich zurück, so dass die Muss-ihr-Mann-nicht-dabei-sein-Debatte weiter anhalten könnte.

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