Vor Italien gekentert
Kreuzfahrtschiff-Unglück fordert drei Tote

In Italien sind bei einem Kreuzfahrtschiff-Unglück mindestens drei Menschen ums Leben gekommen, drei weitere werden noch vermisst. Unter den rund 4200 Mneschen an Bord der „Costa Concordia“ waren auch rund 500 Deutsche.
  • 6

Porto ´Santo StefanoEin Kreuzfahrtschiff mit rund 4.200 Menschen an Bord ist in der Nacht zum Samstag vor der Küste der Toskana auf Grund gelaufen und in Schlagseite geraten. Mindestens drei Menschen kamen bei der Havarie der „Costa Concordia“ ums Leben. Ihre Leichen seien bereits geborgen worden, teilte die italienische Küstenwache mit. Drei weitere Menschen wurden zunächst noch vermisst.

Bis zum Nachmittag wurden noch immer 50 Menschen vermisst. Mindestens zwölf Menschen wurden offiziellen Angaben zufolge verletzt. Mindestens zwei befanden sich in kritischem Zustand. Einige Passagiere seien offenbar in Panik über Bord gesprungen, sagte der Präfekt der Stadt Grosseto, Guiseppe Linardi.

Nach Angaben des Schiffsbetreibers waren 566 Deutsche an Bord. Nach dem derzeitigen Stand der Erkenntnisse sei keiner von ihnen ums Leben gekommen, sagte Werner Claasen, Sprecher von Costas Deutschland, am Nachmittag Reuters. Möglicherweise seien aber einige von ihnen leicht verletzt. Die Überlebenden seien auf dem Weg nach Rom und würden von dort in ihre Heimat ausgeflogen. Die Gruppe der Deutschen war nach seinen Angaben eine der größten an Bord. Knapp ein Drittel der rund 3200 Passagiere stammten dem Veranstalter zufolge aus Italien, etwa 160 Gäste aus Frankreich. Bei Deutschlands größtem Reisekonzern TUI hatten nach Angaben eines Sprechers 14 Touristen aus der Schweiz Plätze auf der „Costa Concordia“ gebucht. Die Gäste der TUI-Marke Vögele Reisen seien an Land und wohlauf, sagte der Sprecher am Samstag. Auf dem Schiff arbeiteten zudem rund tausend Besatzungsmitglieder.

Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass weitere Opfer gefunden werden, sagte ein Sprecher der Feuerwehr am Samstag. Offenbar hatten die Einsatzkräfte keinen Überblick über die Passagierlisten. „Das ist ein komplexer Einsatz“, sagte der Polizeichef der nahegelegenen Stadt Grosseto, Giuseppe Linardi. „Vielleicht sind einige Passagiere ins Wasser gesprungen und wurden nicht von den Rettern aufgegriffen, andere haben vielleicht Schutz bei Privatleuten gefunden und sind deswegen noch nicht
identifiziert.“ In der Nacht waren Rettungsboote, Hubschrauber und Schiffe stundenlang mit der Evakuierung des 290 Meter langen Schiffes beschäftigt. Die Feuerwehr habe 40 Helfer im Einsatz, sagte ihr Sprecher Luca Cari am Samstagmittag weiter. „Wir warten noch auf Teams aus Spezialtauchern, die alle Innenräume des Schiffs absuchen sollen.“ Aufnahmen zeigten einen riesigen Riss an der Seite des Schiffes. Es lag auf der Steuerbordseite und etwa zur Hälfte unter Wasser, ohne dass der Schornstein die Meeresoberfläche berührte. Die „Costa Concordia“ werde nicht weiter sinken, betonte die Küstenwache.

Bis zum Mittag lag den Behörden keine vollständige Liste mit den Namen der Passagiere und Besatzungsmitglieder vor, die zum Unglückszeitpunkt an Bord waren. Auch eine vollständige Zählung der Überlebenden stand zunächst noch aus. Man gehe davon aus, dass 3.206 Passagiere und 1.023 Besatzungsmitglieder an Bord waren, sagte Francesco Paolillo von der Küstenwache. Die Identität der Toten blieb zunächst unklar. Es sei nicht geklärt, ob es sich bei ihnen um Mannschaftsmitglieder oder Passagiere handele, sagte Paolillo. Auch zu ihrer Nationalität könne er keine Angaben machen. Hinweise auf deutsche Opfer lagen dem Auswärtigen Amt am Morgen zunächst noch nicht vor. Eine Sprecherin sagte in Berlin, die Deutsche Botschaft in Italien habe einen Krisenstab eingerichtet und zwei Mitarbeiter wollten sich an der Unglücksstelle informieren.

Die „Costa Concordia“ habe „ein Hindernis getroffen, das ein 50 Meter langes Loch in den Rumpf gerissen hat“, sagte Francesco Paolillo von der Küstenwache. Wasser sei eingedrungen, das Schiff habe sich daraufhin zur rechten Seite geneigt. Am Morgen hatte es mehr als 45 Grad Schlagseite. Paolillo sagte, der erste Alarm sei am Freitag gegen 22.30 Uhr eingegangen, etwa drei Stunden nach dem Ablegen des Schiffs von Civitavecchia.

Nach Angaben von Passagieren ereignete sich das Unglück während des Abendessens. „Wir hatten uns gerade zu Tisch gesetzt, als wir diesen lauten Knall hörten“, sagte Maria Parmegiano Alfonsi im italienischen Fernsehen. „Ich denke, wir sind auf einen Felsen aufgelaufen. Es herrschte große Panik, Tische kippten um, Gläser flogen durch die Gegend und wir sind an Deck gerannt, um unsere Schwimmwesten anzulegen.“ Ein anderer Gast sagte: „Der Strom fiel aus und alle schrien laut auf. Alle rannten auf und ab und dann zu ihren Kabinen, um herauszufinden, was passiert ist.“

Auch ein deutscher Passagier beschreibt das Szenario: „Es ging ein Ruck durch das Schiff“, sagte der Deutsche Peter Honvehlmann aus Nordrhein-Westfalen per Telefon der Nachrichtenagentur dpa. „Innerhalb kürzester Zeit bekam es eine Schräglage, so dass die Vasen von den Tischen fielen, von den Tresen fiel alles runter, (...) so ähnlich wie im Film „Titanic“, man hat es nicht geglaubt.“ Der 38-Jährige wurde zusammen mit seiner Frau gleich zu Beginn der Evakuierung von Bord gebracht.

Zunächst seien die Passagiere von einem technischen Defekt unterrichtet worden, sagte Honvehlmann. Die Mannschaft habe versucht, die Leute zu beruhigen. „Dann trieb das Schiff immer mehr auf die Küste zu.“ Die Rettung sei chaotisch gewesen. „Das war die erste Kreuzfahrt in meinem Leben und sicherlich auch die letzte, sowas geht ja gar nicht.“

Neben dem Deutschen Peter Honvehlmann konnte auch ein Großteil der restlichen rund 4.200 Passagiere und Besatzungsmitglieder mit Schlauchbooten vom Schiff gebracht werden, nachdem die „Costa Concordia“ vor der Insel Giglio in der Region Toskana auf eine Sandbank aufgelaufen war. Als das Kreuzfahrtschiff immer mehr Schlagseite bekommen habe, hätten Hubschrauber die noch etwa 50 an Bord verbliebenen Menschen geborgen, sagte Paolillo. Sie hatten sich nicht mehr in Sicherheit bringen können, weil das Schiff so stark Schlagseite bekommen hatte, dass keine Rettungsboote mehr zu Wasser gelassen werden konnten.

Seite 1:

Kreuzfahrtschiff-Unglück fordert drei Tote

Seite 2:

Nicht der erste Zwischenfall der „Costa Concordia“

Kommentare zu " Vor Italien gekentert : Kreuzfahrtschiff-Unglück fordert drei Tote"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Companero
    Gründe für Havarien sind meistens:
    - menschliches Versagen (Fehlinterpretation der Situation,
    der technischen Informationen,Bedienungsfehler)
    - Übermüdung (Fatique)
    - kommerzieller Druck,
    - technischer Ausfall (Ruder, Maschune, etc)
    Die Untersuchung muß zeigen welche Verkettung von Umständen zu diesem Unglück geführt haben, eine Vorverurteilung der Schiffsleitung ist das einfachste, muß aber nicht zwangsweise vorgelegen haben.
    Sicherlich lastet auf der Schiffsleitung der kommerzielle Druck möglichst nahe an "highlights" heranzufahren damit die Passagiere auch etwas zu sehen bekommen, bei einem Sicherheitsabstand von 5 sm wirds schnell zu langweilig.
    Interressant die Behauptung des Kapitäns, der Felsen war nich in der Seekarte verzeichnet.Die Untersuchungen werden dies zeigen, sicherlich wird nicht jede Seekarte
    permanent neu vermessen, manche über viele Jahre hinweg nicht weil den lokalen Instituten die dafür verantwortlich sind schlichtweg einfach das Geld fehlt.Dann hilft natürlich auch keine elektronische Seekarte, die ist eben auch nicht besser als der "input".
    Erstaunlich auch wie schnell das Schiff so weit Schlagseite bekommen kann, auch wieder ein Beispiel von kommerziellem Druck, diesmal auf Seiten der Klassifikationsgesellschaften die solche Konstruktionen als "sicher" einstufen und abnehmen.
    Die Kritik über die Rettungsmaßnahmen halte ich für falsch. Bei Unglücken auf Schiffen in dieser Größe und mit so vielen Menschen gibt es keine optimale Rettung, es werden immer Menschen sterben müssen, egal wie gut die Mannschaft ausgebildet ist. Jeder der sich an Bord von solchen Schiffen begibt muß dies wissen. Auch die Katastrophe ist somit katkuliert.

  • Am gleichen Tag sah ich vormittags einen Bericht über das Abwracken von Schiffen in Bangladesh. Diese armen Menschen verdienen ihr Geld unter den schlimmsten Bedingungen, die man sich vorstellen kann. Und danach Videos bei youtube über den Prunk und Protz auf diversen Corsa Kreuzfahrtschiffen.
    Ich glaube, dieses Unglück soll uns an unseren Hochmut erinnern,
    aber auch an unseren unmenschlichen Geiz, wenn ich lese, dass die Schiffe auf hoher See das schlechteste, giftigste Öl verwenden, um Kosten zu sparen, und die Luft weltweit versauen.
    Sind wir denn alle nur noch herzlose Roboter ?

  • Guten Tag,... in Frankreich wird gemunkelt die Italienischen Offiziere haetten nach guter Suedlaendischer Sitte;.... sofort die Flucht ergriffen und sich in die Boote gefluechtet. Mann und Maus ( Passagiere ) waeren herumgeirrt wie Vieh. Boese Zungen behaupten mit der Italienischen Marine waere es etwa so,... wie mit den Getrieben der Italienischen Panzer damals in Nordafrika;.... ein Gang vorwaerts und 4 Gaenge zurueck. Na dann Ahoi. Avanti Fachisti. Besten Dank

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%