Vor Neapel
Beben erschüttert italienische Urlaubsinsel Ischia

Wieder ein Erdbeben in Italien: Dieses Mal hat es die Urlaubsinsel Ischia erwischt. Touristen und Bewohner gerieten in Panik und rannten auf die Straßen. Mindestens zwei Menschen starben, viele wurden verschüttet.
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RomNach dem Erdbeben auf der italienischen Insel Ischia arbeitet sich die Feuerwehr langsam zu zwei seit zwölf Stunden verschütteten Kindern vor. Im Ort Casamicciola näherten sich die Retter dem älteren Kind, mit dem anderen sei man in Sprechkontakt, twitterte die Polizei am Dienstag. „Wir hören ihre Stimmen und wir sprechen mit ihnen, um sie zu beruhigen“, sagte der Sprecher der Feuerwehr, Luca Cari, laut Nachrichtenagentur Ansa. Die Helfer konnten den Geschwistern Wasser geben.

Die Kinder wurden bei dem Beben der Stärke 4,0 am Montagabend gegen 21.00 Uhr unter ihrem Haus mit anderen Familienmitgliedern von Trümmern verschüttet. Sie sollen beide unter einem Bett liegen. Zu ihrem Alter gingen die Angaben weit auseinander. Ein sieben Monate altes Baby - der Bruder der Verschütteten - wurden bereits geborgen.

Dem kleinen Pasquale gehe es gut, so die Gesundheitsbehörden. Auch die Eltern konnten gerettet werden. „Es war eine schreckliche Nacht, man kann das mit Worten nicht beschreiben“, sagte der Vater laut Ansa.

Zwei Frauen starben bei dem Beben, 39 Menschen wurden verletzt. Viele Touristen wollten die Insel vor Neapel verlassen. Mit einem Schiff seien mehr als 1000 an der Küste bei Pozuolli angekommen, teilte der Zivilschutz am Dienstag mit.

Geologen kritisierten, dass ein relativ schwaches Beben so große Schäden anrichten konnte. Das erdbebengefährdete Italien lerne nicht aus früheren Katastrophen und baue immer noch nicht erdbebensicher, lautet ihr Vorwurf.

Besonders betroffen waren die Orte Casamicciola und Lacco Ameno. Auf Fotos waren eingestürzte Häuser und Menschen auf der Straße zu sehen. Touristen und Bewohner seien in Panik auf die Straße gelaufen, berichteten italienische Medien. Auch soll mancherorts der Strom ausgefallen und Hotels geräumt worden sein.

Der Zivilschutz berief ein Sondertreffen ein. Ein Krankenhaus auf der Insel wurde evakuiert. Bewohner erzählten, sie würden die Nacht im Freien verbringen. Für sie wurde im Ort ein Fußballstadion geöffnet.

Die Behörden stellten noch in der Nacht im Hafen von Ischia und in Casamicciola drei Fähren bereit, um verschreckten Urlaubern und Besuchern ein Verlassen der Insel zu ermöglichen. Die erste Fähre in Richtung Neapel legte bereits in den frühen Morgenstunden ab.

„Es hat alles angefangen zu wackeln, alles ist heruntergefallen (...). Häuser sind eingestürzt. Es gibt Vermisste, ein Chaos“, erzählte eine Augenzeugin laut Nachrichtenagentur Ansa. „Es ist das Schlimmste, was mir je passiert ist.“

Die Feuerwehr teilte mit, Gebäude seien eingestürzt und beschädigt worden. „Es war sehr stark und sehr furchterregend. Ich habe gehört, dass Menschen gestorben sind“, sagte die Gemeinderätin Donatella Migliaccio der Deutschen Presse-Agentur. Schiffe und Hubschrauber wurden bereitgestellt, um Verletzte ans Festland zu bringen.

Die Insel mit vulkanischem Ursprung ist vor allem im Sommer sehr beliebt bei Urlaubern. Bundeskanzlerin Angela Merkel macht dort regelmäßig Osterurlaub. Die Insel liegt in der Nähe der Phlegräischen Felder, die zu den weltweit wenigen Dutzend sogenannten Supervulkanen zählen. Im Jahr 1883 kamen bei einem Beben auf Ischia rund 2300 Menschen ums Leben.

Italien wird immer wieder von teils verheerenden Erdbeben heimgesucht. Vor fast genau einem Jahr, am 24. August, erschütterte ein schweres Beben die mittelitalienische Region um die Stadt Amatrice. 299 Menschen starben.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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