Vor Somalia
Piraten drohen mit Verstärkung

Von Kapitulation keine Spur: Die Geiselnehmer, die einen US-Schiffskapitän vor der Küste entführt haben, lassen sich auch von aufziehenden Zerstörern der Navy nicht einschüchtern. Während das FBi vermitteln soll, rufen die Piraten nach Verstärkung. Die Geisel hat derweil einen spektakulären Fluchtversuch unternommen.

HB NAIROBI/WASHINGTON. Der von Piraten entführte US-Kapitän Richard Phillips hat am Freitag versucht, den Seeräubern davon zu schwimmen. Den somalischen Piraten sei es aber gelungen, ihn wieder in das Rettungsboot zu hieven, berichtete der US-Sender CNN weiter. Der Kapitän sei unverletzt. Die USA setzen in dem Geiseldrama auf Verhandlungsprofis und Militärpräsenz: FBI-Experten bemühten sich weiter um eine Freilassung des 53-jährigen Kapitäns der „Maersk Alabama“ aus der Hand der Piraten. Zugleich kündigte der US- Kommandeur für den Nahen und Mittleren Osten, General David Petraeus, die Entsendung weiterer Kriegsschiffe an.

Ziel sei es, „alle Möglichkeiten zur Verfügung zu haben, die in den nächsten Tagen nötig sein könnten“, sagte Petraeus nach Angaben der „Washington Post“ in Florida. Wie viele Schiffe unterwegs sind, wollte auch sein Sprecher nicht sagen. Es handele sich jedoch um „mehr als eines“.

Ohne Phillips wären die Seeräuber nach ihrem gescheiterten Überfall vom Mittwoch ohne jedes Faustpfand auf hoher See. Das Rettungsboot treibt in unmittelbarer Nachbarschaft zu dem US- Zerstörer „USS Bainbridge“.

Die Piraten hatten die „Maersk Alabama“ am Mittwochmorgen 500 Kilometer vor der somalischen Küste zunächst gekapert, ihr eigenes Schiff war dabei gesunken. Die 20-köpfige US-Crew brachte das Schiff jedoch wieder in ihre Gewalt. Die vier Seeräuber flohen mit Kapitän Phillips auf ein Beiboot, das inzwischen ohne Benzin im Indischen Ozean treibt.

Während die „Maersk Alabama“ wieder Kurs auf ihren kenianischen Zielhafen Mombasa nahm, verhandelten FBI-Experten mit den Piraten über die Freilassung des Kapitäns. Mehrere Kriegsschiffe haben Kurs auf die Region genommen. Angeblich wollen auch andere Piraten ihren Kollegen zu Hilfe eilen, sagte Andrew Mwangura vom Ostafrikanischen Seefahrerprogramm. Er zweifelte jedoch daran, dass diesen Worten Taten folgen.

Die Kommunikationsmöglichkeiten der Piraten funktionieren offensichtlich nur noch eingeschränkt. Die Offiziere der „USS Bainbridge“ müssten sie mit Batterien für ihr Funkgerät versorgen, berichtete der britische Rundfunksender BBC am Freitag.

„Die Sicherheit des Kapitäns hat höchste Priorität“, sagte ein Sprecher der US-Reederei Maersk. Oberstes Ziel sei ein „friedliches Ende“. Der Sprecher betonte, nun, da der US- Zerstörer vor Ort sei, sei die Navy für die Verhandlungen mit den Piraten zuständig.

Die Entführung des 155 Meter langen Containerschiffes war der sechste Piratenüberfall innerhalb einer Woche vor der somalischen Küste - ungeachtet aller Sicherheitsvorkehrungen und Patrouillen internationaler Marineeinheiten. Die „Maersk Alabama“ ist ein 17 000- Tonnen-Schiff. Nach Reederei-Angaben hatte der Frachter 400 Container mit Nahrungsmitteln an Bord, unter anderem für das Welternährungsprogramm WFP. Das Schiff war im Liniendienst auf der Fahrt nach Mombasa.

Ungewiss ist auch weiterhin das Schicksal der fünf Deutschen, die sich zusammen mit 19 anderen Seeleuten auf dem von Piraten gekaperten Frachter „Hansa Stavanger“ befinden. Medienberichten zufolge hat die Bundesregierung eine Befreiung der „Hansa Stavanger“ durch die Eliteeinheit GSG neun erwogen. Dies scheiterte laut „Spiegel“ aber daran, dass die Seeräuber das Containerschiff der Hamburger Reederei „Leonhardt und Blumberg“ zu schnell zu ihrem Stützpunkt in der Bucht von Harardere an der somalischen Küste brachten. Laut „Focus“ kam die Aktion wegen eines Zuständigkeitsstreits zwischen dem Bundesinnenministerium und dem Verteidigungsministerium nicht zustande.

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