Vor- und Nachteile von Mobilität
Berufsnomaden und Billigflieger

Wer mobil ist, gilt als modern, flexibel und dynamisch. Die Menschen sind immer mehr unterwegs. Doch der Soziologe Norbert Schneider warnt: „Mobilität ist kein Wert an sich, sondern mit vielen Belastungen verbunden.“

HB HAMBURG. Nach den aktuellsten Zahlen legte jeder Deutsche im Jahr 2003 im Schnitt etwa 13 500 Kilometer zurück - Flugreisen nicht berücksichtigt. Das entspricht zwölf Mal der Entfernung Flensburg- Berchtesgaden, wie das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) ausgerechnet hat. 1976 waren es noch 9850 Kilometer.

Auch am Himmel wird es enger: Von 1990 bis 2004 verdoppelte sich die Zahl der von deutschen Flughäfen abfliegenden Passagiere auf knapp 79 Millionen. „Mobilität ist Risiko und Chance zugleich. Wir müssen aber anfangen, uns viel kritischer mit den negativen Folgen auseinander zu setzen“, fordert der Soziologe Norbert Schneider.

Der Wissenschaftler an der Universität Mainz forscht darüber, wie sich berufliche Mobilität auf den Menschen auswirkt. Er hat festgestellt, dass etwa zwei Drittel der Pendler über körperliche und seelische Belastungen klagen. „Menschen, die jeden Tag mehr als zwei Stunden zu ihrer Arbeitsstelle und zurück unterwegs sind, leiden häufig unter Erschöpfungszuständen, Schlafstörungen und Depressionen. Pendeln belastet die Gesundheit.“

Rund 30 Millionen Menschen stufen sich laut dem letzten Mikrozensus des Statistischen Bundesamts aus dem Jahr 2004 als Berufspendler ein. Knapp jeder fünfte von ihnen legt auf dem Weg zur Arbeit 25 oder mehr Kilometer zurück. Dabei ist das Auto Verkehrsmittel Nummer eins. Rund 80 Prozent aller Wege absolviert der Mensch auf vier Rädern, sagt Manfred Boltze, Verkehrsplaner an der Technischen Universität Darmstadt.

Trotz gestiegener Spritpreise war die Fahrleistung auf deutschen Straßen 2004 mit 697 Milliarden Fahrzeugkilometern laut DIW hoch wie nie zuvor. Mit dem Massenaufkommen des Autos ging die Transportgeschwindigkeit allerdings stark zurück: So steht in Deutschland jeder Autofahrer durchschnittlich 65 Stunden im Jahr im Stau, hat der ADAC ausgerechnet. Ein Autofahrer kommt in deutschen Großstädten im Schnitt pro Stunde 16 Kilometer vorwärts. Dennoch ist eine Kehrtwende nicht abzusehen: Nach Angaben des Kraftfahrt- Bundesamts gab es Anfang vergangenen Jahres 45,4 Millionen Personenkraftwagen in Deutschland, 1995 waren es 40,4 Millionen.

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