Vorbild USA setzt Konzerne unter moralischen Druck
Deutsche Bosse werden spendierfreudiger

Bosse haben nichts anderes zu tun, als Kosten zu sparen und Mehrwert für ihre Aktionäre zu schaffen“, schrieb Wirtschaftsnobelpreisträger Milton Friedman einmal. Der Wunsch vieler Bosse, zu spenden und zu stiften, sei ein – für das Unternehmen – selbstmörderischer Impuls.

DÜSSELDORF. „ Doch selbst in den USA hat sich kaum ein Konzern an Friedmans Maxime gehalten. Die Amerikaner gaben im vergangenen Jahr rund 240 Mrd. Dollar für wohltätige Zwecke aus, pro Kopf der Bevölkerung etwa 825 Dollar. Mindestens ein Drittel kommt von Konzernen. Große Mäzene wie etwa Microsoft-Gründer Bill Gates hängen dabei ihre Spendenfreudigkeit gern an die große Glocke.

Zum Vergleich: In Deutschland werden vier bis acht Mrd. Euro gespendet, maximal also 100 Euro pro Bürger. Etwa 90 % dieser Mittel stammen von Privatpersonen, nur 10 % steuern Firmen bei. Diese weit schwächer ausgeprägte Spendenmentalität sei vor allem historisch bedingt, meint Christoph Müllerleile vom deutschen Fundraising- Verband, „seit Bismarck ist in Deutschland der Gedanke verwurzelt, dass der Staat für soziale Aufgaben zuständig ist“. Der Werbe-Effekt von sozialem Sponsoring sei in Deutschland entsprechend gering, meint Müllerleile. „Werbekampagnen wie ,Geiz ist geil’ könnten in den USA niemals laufen.“

Und selbst beim Sponsoring, das klar ins Werbebudget eines Konzerns gehört, spielen gesellschaftliche Engagements derzeit in Deutschland noch eine untergeordnete Rolle. Nur etwa 10 % der Sponsoring-Budgets werden für Soziales, Bildungs- oder Umweltprojekte ausgegeben, errechnete der Fachverband für Sponsoring. Deren Vorsitzender Dieter Mussler führt das auch auf mangelnde Professionalität auf Seiten der bedürftigen Organisationen zurück. „Es fehlt oft eine klare Aussage, was der Sponsor von der Förderung hat“, sagt Mussler. Beate Glinski-Krause, deren PR-Arbeit für Altenpflegeheime den angesehenen „Goldene Brücke“-Preis gewonnen hat, meint: „Viele Organisationen wagen es gar nicht, offensiv in die Öffentlichkeit zu gehen und sich emotional zu engagieren.“

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