Vorlesung in Regensburg
Papst erzürnt Türkei mit Islam-Schelte

Die Islam-Schelte von Papst Benedikt XVI. während seines Besuchs in Deutschland hat in der Türkei scharfe Kritik ausgelöst. Dass das katholische Kirchenoberhaupt ein Zitat aus dem 14. Jahrhundert ins Feld führte, wird in der Türkei mit dem Hinweis auf die Kreuzzüge beantwortet.

HB ISTANBUL. Die Ansichten des Papstes zu Gewalt und Vernunft in Bezug auf den Islam seien „einseitig, voreingenommen, feindselig und provozierend“, sagte der Präsident des Religionsamtes, Ali Bardakoglu, am Donnerstag dem türkischen Nachrichtensender NTV. Er erwarte, dass Benedikt XVI. seine Worte in aller Kürze zurücknehme und sich entschuldige.

Mit Blick auf den für Ende November geplanten Türkei-Besuch Benedikts sagte Bardakoglu, er erwarte „keinen Nutzen“ vom Besuch eines Papstes, „der in dieser Weise über den heiligen Propheten des Islams denkt.“ Die Ausführungen des Papstes zur Vernunft konterte Bardakoglu mit den Worten: „Zunächst einmal sollen sie die Dreifaltigkeit Gottes erklären. Sie sagen, dass Jesus Gottes Sohn sei. Wie ist das mit der Vernunft in Einklang zu bringen?“

Der Papst hatte am Dienstag an der Regensburger Universität, an der er früher als Theologieprofessor Dogmatik gelehrt hatte, eine Vorlesung gehalten. Der akademische Vortrag hatte den Titel „Glaube, Vernunft und Universität - Erinnerungen und Reflexionen“. Darin ging es übergeordnet um das Verhältnis von Glaube und Vernunft. Ratzinger setzte sich nach philosophie- und theologiegeschichtlichen Reflexionen von der Antike bis zur Gegenwart dafür ein, dass „Vernunft und Glaube auf neue Weise zusammenfinden“.

Als Ausgangspunkt seiner Überlegungen zitierte Ratzinger den byzantinischen Kaisers Manuel II. Palaeologos. Dieser hatte im Jahr 1391 im Winterlager zu Ankara mit einem gebildeten Perser einen Dialog über das Christentum und den Islam geführt. Konkret ging es um das Verhältnis von Religion und Gewalt. Kaiser Manuel II. äußerte sich, wie Ratzinger einräumte, in „erstaunlich schroffer Form“: „Zeig mir doch, was Mohammed Neues gebracht hat und da wirst du nur Schlechtes und Inhumanes finden wie dies, das er vorgeschrieben hat, den Glauben, den er predigte, durch das Schwert zu verbreiten“...Gott hat kein Gefallen am Blut, und nicht vernunftgemäß zu handeln, ist dem Wesen Gottes zuwider.“ Ratzinger meinte: „Hier tut sich ein Scheideweg im Verständnis Gottes und so in der konkreten Verwirklichung von Religion auf, der uns heute ganz unmittelbar herausfordert.“

Bardakoglu verwies auf die christlichen Kreuzzüge. „Weil die Kirche den Islam als Feind angesehen hat, hat sie in der Vergangenheit die westliche Öffentlichkeit aufgewiegelt und die Kreuzzüge unternommen. Sie haben Istanbul besetzt, tausende Menschen wurden ermordet.“

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