Vorösterliche Fußwaschung
Papst wäscht erstmals Frauen die Füße

Der Papst predigt davon, an den Rand der Gesellschaft hinauszugehen – und hält sich auch selbst an diese Worte. Franziskus verlegte die vorösterliche Fußwaschung in ein Gefängnis. Doch das war nicht das einzige Novum.
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Rom/BerlinMesse im Petersdom, Fußwaschung im Jugendgefängnis, Kreuzweg am Kolosseum in Rom: Papst Franziskus hat an den Tagen vor Ostern mit deutlichen Worten und berührenden Gesten Akzente gesetzt. In der Messe am Gründonnerstag forderte er die Priester und seine Kirche dazu auf, aus sich heraus und in die „Randgebiete“ zu gehen. Am Abend wusch der vor zwei Wochen gewählte Papst einem Dutzend junger Gefängnisinsassen kniend die Füße – darunter erstmals zwei Frauen. Die großen Kirchen in Deutschland mahnten unterdessen mehr Barmherzigkeit mit den Armen an und forderten ein Umdenken in der Finanz- und Wachstumspolitik.

Franziskus hatte die vorösterliche Fußwaschung an einen ungewöhnlichen Ort gelegt. Das neue Oberhaupt der katholischen Weltkirche wählte das römische Jugendgefängnis Casal del Marmo aus, um dort am Gründonnerstag mit etwa 50 Insassen die Abendmahlmesse in der Gefängniskapelle zu feiern. Der Papst umarmte alle jungen Leute und forderte sie auf, sich niemals die Hoffnung rauben zu lassen.

Zwölf Insassen verschiedener Nationalitäten und Religionen waren ausgewählt worden, von dem argentinischen Papst die Füße gewaschen zu bekommen – nach dem Vorbild des demütigen Dienstes Jesu an seinen Jüngern vor dem letzten Abendmahl. Aus dem Gefängnis gab es keine TV-Übertragung, um die Privatsphäre der jungen Menschen zu schützen.

„Einer muss dem anderen helfen, das lehrt uns Jesus und das ist das, was ich tue, es ist meine Pflicht“, sagte Franziskus den jungen Leuten. Es komme bei ihm von Herzen, er liebe es. Die Fußwaschung sei ein Symbol und ein Zeichen, sie bedeute, „dass ich zu Deinen Diensten bin.“ Wer höhergestellt sei, der müsse im Dienst der anderen stehen. Jugendliche untermalten die Messe mit Gitarrenklängen und Gesängen.

Unter den zwölf jungen Häftlingen, denen Franziskus die Füße wusch und kniend küsste, waren auch eine italienische Katholikin und eine serbische Muslimin. Erstmals leistete ein Papst diesen Dienst der Liebe und Demut damit auch an Frauen. Die jungen Gefangenen hatten für den Papst Geschenke vorbereitet, ein hölzernes Kruzifix und eine selbst geschreinerte Betbank. Franziskus brachte ihnen Ostereier und den traditionellen italienischen Osterkuchen „Colomba“ (Taube) mit.

Jorge Mario Bergoglio hatte bereits als Erzbischof von Buenos Aires solche Messen in Gefängnissen oder unter Kranken gefeiert. Das Jugendgefängnis Casal del Marmo hatten auch seine beiden Vorgänger Johannes Paul II. und Benedikt XVI. besucht, aber den jungen Menschen nicht die Füße gewaschen. Die Abendmahlmesse wurde traditionell bisher in der römischen Lateranbasilika gefeiert.

Franziskus hatte in der Messe vor 1600 Priestern und Ordensleuten seine Kirche dazu aufgefordert, an den Rand der Gesellschaft hinauszugehen, wo Leiden und Blutvergießen herrschten. Dort gebe es auch Blindheit, die sich danach sehne zu sehen, und „Gefangene zu vieler schlechter Herren“, sagte der Papst in der Messe zur Weihe der Salböle. Ähnlich hatte er sich am Mittwoch in seiner ersten Generalaudienz geäußert.

„Wer nicht aus sich herausgeht, wird, statt Mittler zu sein, allmählich ein Zwischenhändler, ein Verwalter“, wiederholte er in der Messe den Aufruf an die Priester, sich zu öffnen. „Es ist eben gerade nicht in den Selbsterfahrungen oder den wiederholten Introspektionen, dass wir dem Herrn begegnen“, führte er aus. Vielmehr müssten die Priester dorthin gehen, wo andere auf das Evangelium warteten.

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  • hä?

  • Dieser Religionsglauben ist mir auch völlig schleierhaft; Politik und Religion gehören in einer "Demokratie" strikt getrennt; das ist mir auch in Deutschland alles zu sehr in einander verwickelt. Und man schaue sich nur mal die momentanen Versuche der evangelischen Kirche in Brasilien an, die versuchen ihre Gesetzesvorstellungen in die Politik einzubringen.

    Die Christen haben wie alle anderen Religionen dieser Welt schon viel Unheil und Verderben gebracht.


    Jeder kann glauben woran er will; aber ohne mich.

  • Beschimpfung,Hohn und Hass,-man braucht nicht mehr auszuziehen,das Fuerchten zu lernen,es wird einem aufgedraengt, in den Kommentaren Deutscher,die ueber
    Kirche und Religion schreiben.

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