Vorsätzliche Tat
Nach Dreifachmord geht Täter lebenslang in Haft

Zehn Monate nach dem Dreifachmord in einer Heidelberger Kinderarztpraxis ist der Täter zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Das Landgericht Heidelberg bescheinigte dem 52- jährigen Sozialhilfeempfänger die besondere Schwere der Schuld. Damit kann er nicht auf eine vorzeitige Entlassung nach 15 Jahren hoffen.

HB HEIDELBERG. Der Angeklagte habe seine Opfer vorsätzlich ermordet, um den Raubüberfall auf die Arztpraxis zu verdecken, sagte der Vorsitzende Richter Edgar Gramlich am Dienstag. Bei dem Überfall hatte der Mann einen Tag vor Heiligabend 2002 den 61-jährigen Arzt, dessen Ehefrau (66) und eine Arzthelferin (24) umgebracht. Gegen das Urteil kann Revision eingelegt werden.

Mit blau-weißem Pullover und dunkler Hose bekleidet nahm der aus Mannheim stammende Angeklagte das Urteil regungslos zur Kenntnis. Beim Betreten des mit rund 200 Zuschauern voll besetzten Saals 1 des Landgerichts hatte er sein Gesicht mit einer Mappe verdeckt. Die Morde hatte er bereits zum Prozessauftakt gestanden. Mit dem Raubüberfall wollte er nach eigenen Angaben seine kümmerliche Sozialhilfe für das Weihnachtsfest aufbessern.

Zur Tatzeit hatte der Alkohol abhängige Mann 1,5 Promille im Blut. Dennoch bescheinigte ihm ein psychiatrischer Gutachter volle Schuldfähigkeit. Ob der Täter vor dem Überfall geplant habe, seine Opfer zu töten, könne nicht nachgewiesen werden, sagte der Richter. Entscheidendes Motiv für die Morde seien die Angst des gehbehinderten und stark übergewichtigen Mannes gewesen, nach der Tat wiedererkannt zu werden. „Er wollte nicht ins Gefängnis, und er wollte nicht vor seinen Kindern als Räuber dastehen.“ Deshalb habe er beschlossen, seine Opfer zu töten. „Das setzte er mit aller Konsequenz und Brutalität um“, erklärte Gramlich.

Der 140 Kilogramm schwere Mann soll seine Opfer mindestens eine Minute lang gewürgt haben. Zuvor hatte er sie in der Kinderarztpraxis misshandelt, um an die Geheimzahlen ihrer Geldkarten zu gelangen. Anschließend erdrosselte er den Arzt und die beiden Frauen in der Praxis in dem idyllischen Heidelberger Stadtteil Ziegelhausen mit einem Kabel und einem Kunststoffseil. Mit den Scheckkarten hob er insgesamt 1000 Euro ab.

„Und am nächsten Tag feierte er mit seinen Kindern Weihnachten, als sei nichts geschehen“, sagte der Richter. Der Angeklagte habe drei Menschenleben vernichtet. „Auf die Taten kann es nur eine Antwort geben: Neben einer lebenslangen Haftstrafe die besondere Schwere der Schuld festzustellen.“

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