Vorstadtunruhen in Frankreich
Randalierer schießen mit Jagdgewehren

Die Krawalle bei Paris nach dem Unfalltod zweier Jugendlicher weiten sich immer mehr aus. Inzwischen sind bereits sechs Gemeinden betroffen. Für die zahlreichen Verwundeten wurden bereits Feldlazarette aufgebaut. Ein Polizist wurde sogar von einer großkalibrigen Kugel verletzt.

HB PARIS. Bei Jugendkrawallen in Pariser Einwandererorten haben Randalierer in der Nacht zum Dienstag auch scharf auf die Polizei geschossen. „Ein Polizist wurde von einer großkalibrigen Kugel an der Schulter verletzt“, teilte die Direktion für öffentliche Sicherheit des Départements Val d'Oise nach Medienberichten am Dienstag mit. Mehrere andere Beamte - die Zeitung „Le Parisien“ spricht von 25 - wurden von Schrotgeschossen verwundet. Augenzeugen berichteten, Randalierer hätten Jagdgewehre in der Hand gehalten.

Insgesamt wurden bei den Krawallen in Villiers-le-Bel und fünf anderen Pariser Vorstädten nach neuen Angaben 64 Polizisten verletzt, die meisten durch Wurfgeschosse. Die Polizei richtete ein Feldlazarett ein. Die Jugendlichen zündeten mehrere Gebäude an, darunter eine Bibliothek, einen Kindergarten, eine Schule und Geschäfte. Auch Dutzende Autos gingen in Flammen auf. Die Polizei setzte Tränengas und Gummigeschosse ein. Journalisten, die die Krawalle filmen wollten, wurden von Jugendlichen tätlich angegriffen. Zwei Kameraleuten wurde die Ausrüstung gestohlen. Auch Feuerwehrwagen wurden attackiert.

Auslöser war der Unfalltod zweier Jugendlicher am Sonntag gewesen, die mit ihrem nicht zugelassenen Kleinkraftrad mit hoher Geschwindigkeit gegen einen Streifenwagen gefahren waren. Präsident Nicolas Sarkozy rief von China aus zur Ruhe auf. Man solle „die Justiz die Verantwortung der einen oder der anderen feststellen lassen“, sagte er. Die ermittelnde Staatsanwaltschaft bescheinigt den Polizisten, sich am Steuer und nach dem Unfall korrekt verhalten zu haben. Das werde von Augenzeugen und den Notärzten der Feuerwehr bestätigt. Anwohner warfen ihnen nach Medienberichten allerdings vor, sich nicht sofort um die Unfallopfer gekümmert zu haben.

Die Opposition bezichtigte die Regierung, seit den wochenlangen Jugendkrawallen vor zwei Jahren nichts zur Verbesserung der Lage in den Vorstädten getan zu haben. Der öffentliche Dienst habe sich aus den Vorstädten zurückgezogen, sagte der sozialistische Abgeordnete Arnaud Montebourg. Die „Nachbarschaftspolizei“ sei abgeschafft worden. In den heißen Vierteln stehe man „einer Bevölkerung gegenüber, die kein Vertrauen mehr in die Institutionen“ habe.

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