Vorwürfe nicht wiederholt
Keine Zeugen-Bedrohung im Metzler-Fall

Am Rande des Prozesses um die Entführung und den Tod des Bankierssohnes Jakob von Metzler hat die Frankfurter Staatsanwaltschaft Ermittlungen gegen die Polizei wegen Bedrohung einer minderjährigen Zeugin eingestellt.

Reuters FRANKFURT. „Wir haben hier eine Situation, wo man sagen kann: Da ist nichts dran“, erklärte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Rainer Schilling, am Freitag in Frankfurt. Die Eltern der damals 16-Jährigen hätten ihre bisherigen Vorwürfe in einer späteren Befragung nicht wiederholt. Auch die junge Frau selbst habe sich dazu nicht geäußert. Die Jugendliche war die Freundin des mutmaßlichen Mörders Magnus Gäfgen gewesen und mit ihm zusammen im vergangenen Herbst festgenommen worden. Im Mordprozess gegen Gäfgen will das Frankfurter Landgericht am Montag ein Urteil fällen.

In einem Brief an den Vorsitzenden Richter hatte der Vater der jungen Frau Vorwürfe gegen die Frankfurter Polizei erhoben. Bei der Festnahme am Frankfurter Flughafen hätten Beamte eines Sondereinsatzkommandos (SEK) seiner Tochter mit Vergewaltigung gedroht, wenn sie nicht das Versteck des entführten Jungen preisgebe. Sie solle das Versteck nennen „oder unsere 14 Leute werden über dich drüberrutschen“, zitierte die „Süddeutsche Zeitung“ die angebliche Drohung eines Beamten aus dem Brief. Die Jugendliche sei seither traumatisiert.

Schilling sagte, in der Befragung habe sie keine Angaben zur Sache gemacht. Auch ihre Eltern hätten die Vorwürfe nicht wiederholt. Die an der Festnahme beteiligten Beamten hätten ausgesagt, dass die junge Frau lediglich ihre Oberbekleidung und Schuhe zur Spurensicherung habe ablegen müssen. Während der gesamten Zeit seien Beamtinnen dabei gewesen.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt allerdings weiter gegen den stellvertretenden Frankfurter Polizei-Präsidenten Wolfgang Daschner, weil Gäfgen auf seine Anweisung hin mit Gewaltdrohungen unter Druck gesetzt worden war. Das Landgericht hatte wegen dieser Drohungen am ersten Prozesstag sämtliche bisherigen Geständnisse Gäfgens für nichtig erklärt. Wenige Tage später gestand Gäfgen erneut, Jakob entführt, getötet und von der Bankiersfamilie Metzler eine Million Euro erpresst zu haben.

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