Vorwurf der Vergewaltigung Neue Ermittlungen gegen Weinstein

Schauspielerin de la Huerta berichtet von zwei Vergewaltigungen durch Weinstein vor sieben Jahren. Das veranlasst die Polizei in New York zu konkreten Ermittlungen. Der Aufenthaltsort des Produzenten ist unbekannt.
Update: 04.11.2017 - 08:31 Uhr Kommentieren
Neue Vorwürfe: Die New Yorker Polizei ermittelt in konkreten Vergewaltigungsvorwürfen gegen den früheren Filmmogul Harvey Weinstein, die sie als glaubwürdig einstuft. Sie sammle derzeit Beweise, um einen Haftbefehl zu erwirken, sagte der Chef der Kriminalpolizei, Robert Boyce, am Freitag. Quelle: Reuters
Harvey Weinstein

Neue Vorwürfe: Die New Yorker Polizei ermittelt in konkreten Vergewaltigungsvorwürfen gegen den früheren Filmmogul Harvey Weinstein, die sie als glaubwürdig einstuft. Sie sammle derzeit Beweise, um einen Haftbefehl zu erwirken, sagte der Chef der Kriminalpolizei, Robert Boyce, am Freitag.

(Foto: Reuters)

New YorkDie New Yorker Polizei ermittelt in konkreten Vergewaltigungsvorwürfen gegen den Filmmogul Harvey Weinstein, die sie als glaubwürdig einstuft. Sie sammle derzeit Beweise, um dann einen Haftbefehl zu erwirken, sagte der Chef der Kriminalpolizei, Robert Boyce, am Freitag. Anlass ist die öffentliche Anschuldigung von Schauspielerin Paz de la Huerta, der Filmproduzent habe sie vor sieben Jahren zwei Mal in ihrer Wohnung vergewaltigt.

Um Weinstein wird ein Sex-Skandal immer größer, nachdem vor vier Wochen mehrere Frauen erklärt hatten, er habe sie sexuell belästigt. Manche Vorwürfe sind 30, 40 Jahre alt, andere stammen aus der jüngeren Vergangenheit. Die Zahl der mutmaßlich betroffenen Frauen ist seither gestiegen, in einigen Fällen wird ihm Vergewaltigung vorgeworfen.

So wenden sich Hollywood-Stars angewidert ab
Harvey Weinstein
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Es begann mit einem Bericht der New York Times. Der US-amerikanische Filmproduzent soll über Jahre Frauen sexuell belästigt haben. Da sich die Hinweise mehr und mehr verdichten, wurde Weinstein unlängst von seinem eigenen Filmstudio vor die Tür gesetzt. Der Skandal erschüttert Hollywood. Nicht wenige Schauspieler und Verantwortliche aus dem Business melden sich zu Wort.

Die ersten öffentlichen Stimmen
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Die Schauspielerinnen Rose McGowan (l.) und Ashley Judd sind die ersten Frauen, die als Betroffene ihre Stimme gegen den Hollywoodmogul erheben. Bereits im vergangenen Jahr schrieb McGowan auf Twitter, dass sie von einem damals nicht näher benannten Studiochef vergewaltigt worden sei. Zudem gehöre sie nach Informationen der Times zu einer der insgesamt acht Frauen, denen Weinstein Schweigegeld gezahlt habe. Judd gab demselben Blatt ein Interview, in welchem sie von ihrer „schmutzigen Erfahrung“ mit dem Oscar-prämierten Produzenten erzählt.

„Ich wusste nichts darüber, aber es überrascht mich kein Stück und passt ohnehin zu diesem System.“
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Der Sex-Skandal zieht in Hollywood seine Kreise und trifft bei vielen erschütterten Filmstars nur auf Entrüstung und Unverständnis. So auch bei Schauspielerin Emma Thompson, die sich gegenüber BBC Newsnight äußerte. „Was ich außergewöhnlich finde, ist, dass dieser Mann nur die Spitze eines ganz bestimmten Eisbergs ist. Ich denke nicht, dass man ihn als sexsüchtig bezeichnen könnte; er ist ein Jäger. Aber er sitzt sozusagen auf der obersten Sprosse eines Systems voller Belästigung, Verharmlosung, Mobbing und Beeinflussung.“

„Er ist das Sinnbild eines systembedingten Problems“
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Der aus Kanada stammende Schauspieler Ryan Gosling auf Twitter. „Ich möchte mich den Stimmen der Unterstützung für die Frauen anschließen, die den Mut haben, sich gegen Weinstein auszusprechen. Wie viele Menschen in Hollywood habe auch ich mit ihm zuvor zusammengearbeitet und ich bin von mir selbst tief enttäuscht, dass ich so blind war. [...] Männer sollten zu den Frauen halten und zusammenarbeiten, bis Rechenschaft abgelegt und eine Änderung erreicht wurde.“

„Das darf nicht passieren, es sollte nicht passieren, aber es geschieht in jeder einzelnen Industrie.“
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Schauspielerin und Ehefrau von Ryan Reynolds, Blake Lively, in einem Interview mit dem Hollywood Reporter. „In keiner Form habe ich diese Erfahrung mit Harvey machen müssen und ich denke, wenn den Leuten diese Geschichten zu Ohren gekommen wären ... dann glaube ich doch noch ausreichend an die Menschheit, dass diese Dinge nicht einfach fortgeführt worden wären. [...] Es ist niederschmetternd zu hören. Wenn Menschen ihre Geschichte mit der Öffentlichkeit teilen, gibt es eine Sache, die geschehen muss: Ihnen muss zugehört sowie vertraut werden und man muss sie ernstnehmen.“

„Man kann sich kein ,Oh, na ja, ich bin in den 60er- und 70er-Jahren aufgewachsen, deshalb ...‘ kaufen“
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Tom Hanks nimmt im Interview mit der New York Times Bezug auf Weinsteins anfängliches Statement, in welchem er sein Verhalten mit der Zeit, in der er aufwuchs, begründet. „Auch ich bin in dieser Zeit aufgewachsen. Also denke ich, nun, was verspricht man sich eigentlich von dieser machtvollen Position? Ich kenne eine Menge unterschiedlicher Menschen, die es lieben, auf unter ihnen stehenden Leuten rumzuhacken oder ihnen das Leben schwer zu machen nur weil sie es können ...“

„Es muss für die Frauen angsteinflößend gewesen sein, sich gegen ihn aufzulehnen“
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Der britisch-italienische Schauspieler und Filmproduzent Colin Firth in einem Statement gegenüber dem Guardian. „Es überkommt mich ein gewisser Brechreiz, wenn ich lese, was vor sich ging, während ich von der Unterstützung von Harvey Weinstein profitierte. Er war ein mächtiger und furchterregender Mann, wenn man ihm Paroli bieten wollte. Es muss für die Frauen angsteinflößend gewesen sein, sich gegen ihn aufzulehnen. Und entsetzlich nun mit dieser Art von Belästigung in Verbindung gebracht zu werden. Ich applaudiere ihrem Mut.“

Nach Polizeiangaben sind die Aussagen de la Huertas in Teilen bereits bestätigt. Sie seien deshalb so glaubwürdig, weil de la Huerta jede Minute der Vorfälle habe schildern können – wo sie war, wo sie sich trafen, und was er tat. Auf einer Pressekonferenz erklärte Boyce weiter, wenn Weinstein derzeit in New York wäre und die Vergewaltigungsvorwürfe aus jüngster Zeit stammen würden, „würden wir direkt hin und ihn verhaften. Kein Zweifel.“

Die „Boardwalk Empire“-Schauspielerin hatte CBS News gesagt, die erste Vergewaltigung sei im Oktober 2010 geschehen, als Weinstein sie nach einer Party nach Hause gefahren habe. Er habe darauf bestanden, für ein Getränk mit in ihre Wohnung zu kommen und sie dann zum Sex gezwungen. Vor der zweiten Vergewaltigung zwei Monate später sei Weinstein erneut zu ihrer Wohnung gekommen. Sie sei betrunken gewesen und daher nicht in der Lage gewesen, ihr Einverständnis zum Sex zu geben. Weinstein hat bisher alle Vorwürfe zurückgewiesen, die sexuellen Kontakte seien nicht einvernehmlich gewesen.

Der Polizei zufolge traute sich die Schauspielerin nicht früher zu ihrer Aussage – aus Angst ihrer Karriere zu schaden. Zudem sei sie nicht sicher gewesen, ob ihr jemand bei der Aussage gegen einen so mächtigen Mann Hollywoods glaube.

Boyce sagte, Weinstein wisse, dass die Polizei mit ihm sprechen wolle. Er hat eine Wohnung und ein Büro seiner Produktionsfirma in New York. Am Freitag war der Aufenthaltsort des Produzenten aber unbekannt. Die Nachrichtenwebseite TMZ meldete, Weinstein sei mit Perücke und Kappe verkleidet in einem Restaurant in Phoenix gesichtet worden.

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