Vorzeitige Bescherung in Spanien
Hässlicher Dicker bringt Millionen

Der Sekt floss in Strömen, wildfremde Menschen stießen miteinander an und fielen sich jubelnd in die Arme. Das Losglück verhalf Tausenden von Spaniern unverhofft zu Reichtum. Die traditionelle Weihnachtslotterie, die größte Lotterie der Welt, schüttete am Wochenende die Rekordsumme von insgesamt 2,2 Milliarden Euro an Gewinnen aus.



HB MADRID. Zahlreiche Familien erlebten zwei Tage vor Heiligabend eine vorzeitige Bescherung. Über Llames und Molledo, zwei kleine Bauernschaften in Asturien im Norden des Landes, ging ein wahrer Geldregen nieder. Die nicht einmal 400 Dorfbewohner konnten sich über Losgewinne von insgesamt 270 Millionen Euro freuen. Rosa María Montes, Vorsitzende eines Hausfrauen-Clubs in Llames, hatte in der Kreisstadt Nava einen größeren Stapel an Losen mit der Nummer 6381 erworben und diese an ihre Clubmitglieder weiterverkauft.

Genau diese Nummer wurde am Samstag als erster Hauptgewinn gezogen, genannt „El Gordo“ (Der Dicke). Für jedes Los gibt es drei Millionen Euro, für jedes Zehntel-Los immerhin 300 000 Euro. Die Hausfrauen von Llames feierten ihre Präsidentin als Glücksgöttin und übergossen sie mit „sidra“, wie der in Nordspanien getrunkene Apfelwein genannt wird. Anschließend organisierten sie ein großes Dinner für das ganze Dorf. Fast alle Familien hatten Losanteile erworben und waren unter den Gewinnern.

Dabei hatte die Losnummer 6381 bei erfahrenen Spielern als wenig glücksverheißend gegolten. „Sie ist kurz und hässlich“, hieß es. Die meisten Losnummern haben nicht vier, sondern fünf Ziffern. Zudem ist die Endziffer 1 unbeliebt, weil sie in der Geschichte der Lotterie am seltensten gezogen wurde. In Vic bei Barcelona und auf Teneriffa blieben die Losverkäufer gar auf 16 Losen mit dieser Nummer sitzen, weil sie niemand haben wollten. Die fälligen „Gordo“-Gewinne von 48 Millionen Euro fließen nun in die Staatskasse.

Bei der Weihnachtslotterie waren Lose mit Nummern von 0 bis 85 000 ausgegeben worden. Jede Losnummer wurde 185 mal verkauft. Ein ganzes Los kostet 200 Euro. Normalerweise kaufen die Spanier Zehntel-Lose für 20 Euro oder teilen sich Lose mit Freunden und Kollegen. Als Glücksbringer erwies sich auch Pedro Fortuño, der im Zentrum von Barcelona eine kleine Losbude betreibt. An seinem Schalter waren alle 185 Lose mit der Nummer 55 469 verkauft worden. Auf sie entfiel der zweite Hauptgewinn von einer Million Euro pro Los. „Diese Nummer habe ich seit langem abonniert“, berichtete der „Glücksgott“. „Sie ist bei den Loskäufern sehr gefragt, denn die 69 am Ende hat einen sexy Beigeschmack.“ Die Zeitung „El País“ titelte am Sonntag ein wenig anzüglich: „Nie bereitete die 69 so viel Vergnügen.“

Die Weihnachtslotterie wird seit 195 Jahren ausgespielt. Der eintönige Singsang, mit dem Kinder eines Waisenhauses die Gewinnzahlen verkünden, hat für den Außenstehenden etwas Nervtötendes. Für die Spanier ist jedoch ein Weihnachten ohne eine Ziehung der Lose nicht denkbar. Die Prozedur, die in diesem Jahr fast vier Stunden dauerte, zieht Millionen in ihren Bann. Dies ist auch nicht verwunderlich, denn jeder Spanier - Babys und Alte mitgerechnet - hatte im Durchschnitt mehr als 70 Euro für den Kauf von Losen ausgegeben. Über 80 Prozent der Bevölkerung spielten mit.

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