Waldbrände in Griechenland
170 996 074 Euro auf dem Konto

Leere Versprechen und Bürokratenwirrwarr: Ein Jahr nach den Feuerstürmen in Griechenland warten die meisten Opfer immer noch auf die versprochenen Entschädigungen der Regierung. Doch deren Hilfsfonds sitzt auf dem Geld.

PYRGOS. „Das hier ist mein Drama“, sagt Konstantinos Kakalis und stößt das Blechtor des Lagers auf. Knöcheltief liegt die Asche auf dem Hallenboden. Im Halbdunkel stehen die ausgeglühten Reste des Maschinenparks: Werkbänke, Gabelstapler, Kreissägen. „Mein Vermögen – alles Schrott“, sagt der 56-Jährige.

Zwei Tage hatten die Feuerstürme schon in den Bergen der griechischen Halbinsel Peloponnes getobt. Dann, am Nachmittag des 26. August 2007, heute vor einem Jahr, erreichten die Flammen Kakalis' Holzgroßhandel. Sein Betrieb liegt auf halbem Weg zwischen der Kreisstadt Pyrgos und dem antiken Olympia. „Die Feuerwalze kam rasend schnell über die Berge“, erinnert sich der Unternehmer. Ein Löschhubschrauber warf eine Ladung Wasser ab und rettet so wenigstens das Bürogebäude. Auch seinen Volvo-Laster konnte Kakalis gerade noch in Sicherheit bringen. Doch alles andere wurde ein Raub der Flammen. Das Wellblechdach der Halle ist eingestürzt. Die großen Stahlträger haben sich in der Gluthitze des Feuers verzogen.

Zunächst hatte Konstantinos Kakalis große Hoffnung: Nach ein paar Wochen kam eine fünfköpfige Expertenkommission und nahm den Schaden auf: 970 000 Euro. Nach langem Hin und Her haben ihm die Behörden Schadensersatz zugesagt: 118 000 Euro. Aber bekommen hat er bisher nichts.

Bereits Anfang November 2007 hat Kakalis an den griechischen Ministerpräsidenten Konstantin Karamanlis geschrieben und seinen Fall geschildert. Der Premier ließ dem Unternehmer antworten, er möge doch einen Kredit aufnehmen. 90 000 Euro hat sich Kakalis von der Bank geliehen, um neues Holz kaufen zu können. „Jetzt steht mir erst recht das Wasser bis zum Hals“, sagt er.

Wie Kakalis geht es fast allen, die während der verheerenden Waldbrände vom August 2007 in Griechenland ihren Besitz verloren haben. Ein Jahr nach der Feuerkatastrophe warten sie vergeblich auf die von der Regierung wortreich versprochenen Entschädigungen. Was sich nicht eh als leeres Politikerversprechen erwies, geht in bürokratischem Kleinklein unter. Von fast 200 Millionen Euro für die Brandopfer – viele Millionen davon Spenden – sind bis heute kaum 30 Millionen ausgezahlt.

Eigentlich sollte das ganz anders laufen. Alles werde ersetzt, versprach Premier Karamanlis im August 2007, abgebrannte Häuser und Betriebe würden wieder aufgebaut, Ernteausfälle kompensiert. Nur Tage nach den Feuern zahlte die Regierung Geschädigten eine Soforthilfe von 3 000 Euro. Und wer sein Haus verloren hatte, bekam sogar 10 000 Euro auf die Hand. Gegen Vorlage einer eidesstattlichen Versicherung konnten sich die Griechen bei den Banken das Geld auszahlen lassen. Manche kamen sogar aus Nordgriechenland, gaben sich als Geschädigte aus – und kassierten gleich bei mehreren Banken.

Egal. Für die Regierung von Premier Karamanlis ging die Rechnung auf: Sie wurde wiedergewählt. Aber seit der Wahl sind die Geldströme weitgehend versiegt.

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