Waldbrandgefahr in Deutschland steigt
Heißeste Nacht seit Beginn der Wetteraufzeichnungen

In Deutschland sind in der Nacht zum Freitag die höchsten Temperaturen seit Beginn der Wetteraufzeichnungen im Jahr 1901 gemessen worden.

Reuters BERLIN. Im rheinland-pfälzischen Neustadt an der Weinstraße sank die Temperatur in den Nachtstunden nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes nicht unter 26,7 Grad. Der bisherige Rekord lag bei 26 Grad, gemessen in Freiburg am 5. Juli 1957. Die anhaltende Hitze drückt inzwischen den Umsatz der Einzelhändler beim Sommerschlussverkauf. Die Binnenschifffahrt wurde wegen der niedrigen Wasserstände teilweise eingestellt. Wegen der hohen Waldbrandgefahr kreisen in Brandenburg Flugzeuge über den Forstgebieten, um Brände so früh wie möglich zu entdecken.

Ein Ende der Hitze ist vorerst nicht in Sicht. „Wir gehen davon aus, dass es bis Mitte der nächsten Woche bei diesem Temperaturen bleiben wird“, sagte der Sprecher des Deutschen Wetterdienstes. Um 13.00 Uhr war am Freitag der Flughafen Mannheim mit 37,5 Grad der der wärmste Ort in Deutschland. Noch um Mitternacht hatten die Quecksilbersäulen in Freiburg und Würzburg bei 30 Grad verharrt.

Die Hitze hat in der zweiten Woche des Sommerschlussverkaufes (SSV) den Deutschen auch die Lust an der Schnäppchenjagd verdorben. „Gegen die Hitze kommt auch der SSV nicht an“, sagte der Sprecher des Hauptverbandes des deutschen Einzelhandels, Hubertus Pellengahr. Nach einer guten ersten Woche hätten die hohen Temperaturen auf den Umsätzen gelastet. Genaue Zahlen könne er aber noch nicht sagen.

Die anhaltende Trockenheit ist auch mit ein Grund dafür, dass die deutsche Getreideernte 2003 deutlich niedriger ausfällt als im Vorjahr. Voraussichtlich werden nach ersten Schätzungen des Statistischen Bundesamtes 35,1 Mill. Tonnen Getreide geerntet und damit 11,5 % weniger als vor einem Jahr.

In Brandenburg steigt die Waldbrandgefahr mit der Trockenheit nach Angaben des Innenministeriums immer mehr. Ein Sprecher der Behörde sagte, inzwischen seien drei Beobachtungsflugzeuge den ganzen Tag über den Forstgebieten im Einsatz, um Flammen oder Rauch so früh wie möglich ausmachen zu können. Am Donnerstagabend hatte die Feuerwehr in Brandenburg zwei Waldbrände unter Kontrolle gebracht, die sich über mehrere Hektar erstreckt hatten.

Die Hitze in Deutschland schränkt auch die Binnenschifffahrt mehr und mehr ein. Auf der Elbe sei der Verkehr inzwischen vollständig eingestellt worden, teile der Bundesverband Binnenschifffahrt mit. Auf dem wichtigsten deutschen Wasserweg, dem Rhein, könnten große Transporter für Erz oder Kohle wegen des niedrigen Wasserstandes nur noch eingeschränkt Ladung aufnehmen. Verbandschef Heinz Hofmann verlangte angesichts der Notsituation Hilfen vom Staat.

Die wegen der Hitzewelle geminderte Leistung deutscher Atomkraftwerke stellt derzeit keine Gefahr für die Stromversorgung dar. Die geringeren Strommengen würden durch höhere Erzeugung in anderen Kraftwerken kompensiert, hieß es bei deutschen Energieerzeugern. Allerdings stiegen an der Leipziger Strombörse stiegen die Großhandelspreise wegen der Leistungskürzung der Atomkraftwerke kräftig. Spitzenlast-Strom kostete am Freitag 185 € je Megawattstunde, 50 % mehr als am Vortag. Die Mehrheit der Deutschen findet einer Umfrage zufolge den Sommer zu heiß, gut ein Fünftel leidet gar unter den Temperaturen. 42 % fänden den Rekordsommer 2003 dagegen „absolut toll“, heißt es in Emnid-Studie im Auftrag der TV-Zeitschrift „Bild-Woche“.

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