Warnung vor Wertverlust in der Familie
Papst als Verfechter der europäischen Einheit geehrt

Papst Johannes Paul II. hat am Mittwoch in Rom den erstmals verliehenen außerordentlichen Aachener Karlspreis für seine Verdienste um die Einheit Europa entgegen genommen. Eine Auszeichnung auch für die Initiatoren des Karlspreises: Traditionell nehmen Päpste Auszeichnungen eigentlich nicht an.

HB ROM. In seiner auf Deutsch gehaltenen Dankesrede sagte Johannes Paul II., er träume von einem Europa „ohne selbstsüchtige Nationalismen“. Er träume von einem Europa, in dem sich die großen Errungenschaften „nicht auf einen sinnentleerten Konsumismus richten“. Außerdem warnte Johannes Paul II. vor einem Wertverlust der Familie.

Bei der feierlichen Preisübergabe im Apostolischen Palast im Vatikan würdigte der Aachener Bürgermeister Jürgen Linden den „herausragenden und vorbildlichen Beitrag“, den das Oberhaupt der katholischen Kirche zur Einheit Europas geleistet habe. Die Vollendung der europäischen Einheit sei maßgeblich von Johannes Paul II. beeinflusst worden.

„Sie verkörpern wie keine andere Persönlichkeit die europäischen Werte von Gleichheit und Brüderlichkeit. Ihr Eintreten für die Unantastbarkeit des Friedens und für Versöhnung sind Vorbild und Verpflichtung für uns alle“, sagte Linden und dankte dem Papst dafür, den Preis angenommen zu haben.

Zu der Preisverleihung waren Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt als Vertreterin der Bundesregierung sowie der nordrhein- westfälische Ministerpräsident Peer Steinbrück (beide SPD) gekommen. Zu den hunderten Gästen der Feier gehörten auch mehrere bisherige Träger des Karlspreises, darunter Altbundespräsident Walter Scheel.

Der Papst las seine Rede mit zunächst fester Stimme vom Blatt ab. Er saß in einem weißen Gewand auf einem Sessel. Im Anschluss an den von feierlichen Gesängen begleiteten Festakt begrüßte das Kirchenoberhaupt mehrere Ehrengäste persönlich, ehe er auf einem Podest aus dem Saal geschoben wurde und dabei die Menschen segnete.

Der Karlspreis wird seit 1950 verliehen. Preisträger waren unter anderem der erste deutsche Bundeskanzler Konrad Adenauer, Ex-US- Präsident Bill Clinton und der frühere französische Präsident Valéry Giscard d'Estaing.

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