Was E-Mail-Müll mit würzigem Schinken zu tun hat
Spam auf den Tisch!

Spam, na klar. Diesen Begriff kennt fast jeder. Und jeder, der ihn kennt, ist genervt. Denn allmorgendlich zeigt der Blick ins E- Mail-Fach das Ausmaß des Elends: Massenhaft unerwünschte Post von unbekannten Absendern, die alles von billigen Krediten bis zu Penisverlängerungen anpreisen. Müll, der Postfach und E-Mail-Verkehr verstopft – Spam genannt.

HB LONDON. Genervt von Spam ist auch ein Lebensmittelkonzern aus den USA namens Hormel Foods: Er stellt Dosenfleisch der Marke Spam her und ärgerte sich lange, dass der Name als Synonym für E-Mail-Müll missbraucht wird. Doch nun will Hormel die Bekanntheit des Wortes speziell in Großbritannien bewusst nutzen: Mit einer nächste Woche startenden Werbekampagne versucht der Konzern, vor allem jungen Briten klarzumachen, was Spam ursprünglich ist: nämlich eine im Supermarkt erhältliche Metalldose, gefüllt mit gepresstem Schweinefleisch, das kräftig gewürzt ist und daher Spiced Ham – Spam – genannt wird.

Die Werbekampagne soll Spam wieder zurück auf den Tisch der Briten bringen. In den Spots tauchen die Fleischdosen bei typisch britischen Freizeittätigkeiten wie Camping auf.

Die umgerechnet rund drei Millionen Euro teure Kampagne soll aber nicht nur zum Kauf animieren, sondern auch an die lange Tradition erinnern die Spam im gesamten angloamerikanischen Raum hat. Denn im Grunde gehört Spam zum britischen Leben wie Fish’n’Chips: Ex-Premierministerin Margaret Thatcher nannte Spam eine „Delikatesse aus Kriegszeiten“ – nach 1941 brachten Amerikaner die Dosen in Massen nach Großbritannien, um die Hungersnot zu lindern.

Auch die Namensgebung von Spam für E-Mail-Müll ist nach herrschender Meinung eng mit Großbritannien verbunden: Computernutzer sollen die Idee von einem Sketch der Komikertruppe Monty Python haben. Darin beschwert sich eine Dame in einem Restaurant, sie möge kein Spam. Woraufhin eine Bande Wikinger im Chor „Spam, Spam, Spam...“ schreit und damit jede Konversation abtötet – so, wie die E-Mail-Werbung das Internet verstopft.

Gute Chancen also für Hormel, ein Spam-Revival in Großbritannien herbeizuzaubern. Für den US- Konzern hat es sich ohnehin ausgezahlt, dass er sich über den Namensklau nicht länger nur ärgert, sondern die Bekanntheit von Spam nutzt. Die Marke wächst laut Hormel um jährlich zehn Prozent – im vorigen Jahr wurden weltweit 121 Millionen Dosen in 41 Ländern verkauft. PR-Experten sind überzeugt, dass die ungewollte Namensgebung für E-Mail-Müll zu diesem Erfolg einen Großteil beigetragen hat.

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