Wasserpfeifen in Paris
Rauchen, aber politisch korrekt

Ein Ort wie aus 1001 Nacht: Im Sézam Café im Herzen von Paris sind die farbenfrohen Sitzkissen in sanftes Licht aus bunten Glaslaternen getaucht, das Schmachten orientalischer Musik ist so dezent, dass man sich gut unterhalten kann, und über allem liegt der zarte, würzige Duft des Shisha, des Tabaks, der in den hohen, durchsichtigen Wasserpfeifen geraucht wird.

HB PARIS. In Paris geht man jetzt nicht mehr nur zum Essen, Trinken oder Tanzen aus, um neue Bekanntschaften zu machen, zu flirten oder sich vom Alltagsstress zu erholen. Die Brasserien und Diskotheken haben ernsthafte Konkurrenz bekommen: von den Wasserpfeifen-Bars. Wo man sich gemütlich hinhockt, um sich womöglich an den Urlaub in Marokko oder Tunesien zu erinnern.

Über 200 dieser Etablissements soll es mittlerweile um die Seine herum geben; und es werden immer mehr. Auch in München, Frankfurt und Berlin gibt es jetzt diese Bars (siehe Kasten), sogar in New York.

Was in Ägypten und Tunesien als der Gipfel orientalischer Faulenzerei und Nichtsnutzigkeit gilt (in Tunesien ist die Wasserpfeife, Nargileh genannt, in der Öffentlichkeit verboten), ist in der atemlosen Großstadt Paris willkommenes Mittel zur Entschleunigung. „Wasserpfeife zu rauchen hält die Zeit an, intensiviert die Gespräche, fördert die Vertrauensbildung“, sagt der französisch-tunesische Soziologe Khamel Chaouachi.

Der Mann ist so begeistert von dieser Geselligkeit, dass er ihr sogar ein Buch gewidmet hat. In ihm ist viel die Rede von kulturellem Austausch, Brüderlichkeit in Zeiten wachsender Entfremdung zwischen Ost und West und der Rebellion gegen den modernen Zwang zur Effizienz.

Gegen einen Zwang lässt sich in der Shisha-Bar trefflich rebellieren: gegen die Verbannung der Raucher, die auch in Paris allmählich einen schwereren Stand haben.

In Paris hat alles ganz unauffällig im 20. Bezirk begonnen, der Heimat vieler Einwanderer aus Afrika und Asien. In der Rue des Couronnes, in der vor allem Tunesier leben, findet man kleine Cafés, aus denen der würzige Geruch dringt. Sie gelten den Nargileh-Fans auch als die authentischsten Orte für gemeinsames Rauchen: Im Fernsehen gibt es Fußball, und die Männer spielen Backgammon, ganz wie in Fez. Nur dass in den Pariser Cafés auch Frauen sitzen.

Mittlerweile existieren die Bars aber auch um die Sorbonne, wo die Studenten ausgehen, und unterhalb von Montmartre, wo ein weiteres Klein-Maghreb liegt. In vielen Lokalen gibt es nicht nur Pfefferminztees, sondern auch Kleinigkeiten zu essen und orientalisches Gebäck.

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