Wasserstand im rheinland-pfälzischen Kaub bereits kritisch
Folgen der Hitzewelle gefährden Rheinschifffahrt

Durch die anhaltende Hitzewelle in Europa ist der Wasserstand des Rheins Branchenkreisen zufolge derart gesunken, dass in Kürze keine Schifffahrt mehr möglich sein könnte. Die Lage sei „ziemlich dramatisch“, sagte Harry Volker von der niederländischen Reederei Nautica am Donnerstag.

Reuters AMSTERDAM/DüSSELDORF. „Wenn es so weitergeht, können wir in der nächsten Woche nichts mehr transportieren.“ Der Rhein ist die wirtschaftlich wichtigste deutsche Wasserstraße. Nach Angaben des Bundesverbandes der deutschen Binnenschifffahrt entfallen auf den größten deutschen Strom mit 200 Mill. Tonnen rund 80 % der gesamten Transportmenge in der Binnenschifffahrt.

Kritisch sei der Wasserstand bereits im rheinland-pfälzischen Kaub, sagte Volker weiter. Der Pegelstand betrage dort lediglich 103 Zentimeter und nehme täglich um rund fünf weitere Zentimeter ab. Bei 81 Zentimetern werde in Transportverträgen die Höhere-Gewalt-Klausel wirksam, sagte Volker. Andere Schifffahrtsvertreter erklärten, das In-Kraft-Treten der Klausel hänge auch davon ab, ob die Behörden Teile der Wasserstraße offiziell für die Schifffahrt sperrten. „Wir hatten das (In-Kraft-Treten der Höheren-Gewalt-Klausel) zuletzt vor rund fünfeinhalb Jahren“, sagte Volker. Sollte dieser Fall wieder eintreten, müssten etwa Getreide und Ölprodukte über Straßen und Schienen transportiert werden, ohne dass die Reedereien für die Nichterfüllung ihrer Verträge eine Vertragsstrafe zahlen müssten.

„Wir sind so niedrige Wasserstände im Sommer nicht gewöhnt“, sagte ein Sprecher des Wasser- und Schifffahrtsamtes am Standort Duisberg, wo der Pegelstand des Rheins derzeit rund eineinhalb Meter unter dem Jahresdurchschnitt von vier Metern liegt. Mit Niedrigwasser habe man sonst erst im Herbst zu tun und dann auch in der Regel nicht so lange. Anders als bei Hochwasser werde die Schifffahrt bei Niedrigwasser nicht von Amts wegen eingestellt. Der Verkehr auf dem Rhein sei aktuell sogar noch höher als sonst, weil viele Eigner die Lademenge nun auf mehrere Schiffe verteilten. Schifffahrtsberater Pieter Kulsen sagte der Nachrichtenagentur Reuters, einzig positiver Effekt der Hitzewelle sei, dass die Nachfrage nach Heizöl in Deutschland derzeit stark zurückgegangen sei. Heizöl ist das wichtigste Ölprodukt, das über die Wasserstraße transportiert wird. „Die Nachfrage ist derzeit nicht so groß. Daher sehen wir auch keine plötzliche Zunahme bei der Frachtmenge“, sagte Kulsen.

Um dem niedrigen Wasserstand gerecht zu werden, würden Rheinschiffe bis 1200 Tonnen derzeit nur mit 60 bis 70 % ihrer Kapazität und Schiffe mit mehr als 1500 Tonnen mit 30 bis 40 % beladen, sagte Kulsen. Zuletzt hätten die Schiffe im April mit ihrer vollen Auslastung fahren können.

Wenn die Schiffe jedoch weniger Fracht aufnähmen, führe dies zu Umsatzeinbußen, sagte der Geschäftsführer des Bundesverbands der deutschen Binnenschifffahrt, Jens Schwanen. Hinzu kämen Einnahmeausfälle wegen ausbleibender Aufträge aus der Landwirtschaft infolge der schlechten Getreideernte. Der wirtschaftliche Schaden für die rund 1000 Schiffseigner, die im Auftrag der Reedereien und großen Transport-Genossenschaften auf den deutschen Flüssen tätig seien, sei noch gar nicht absehbar. Dramatisch sei die Situation auch auf anderen deutschen Flüssen wie der Elbe und der Donau, sagte Schwanen weiter. Auf der Donau sind wegen des extremen Niedrigwassers vor Passau inzwischen aber kaum noch Transporte möglich. „Es ist schon wenig und es wird noch weniger werden“, heißt es beim Regensburger Schifffahrtsamt. Helfen könne jetzt nur noch Regen.

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