Weblog-Autoren:
Schreiben, solange es Strom gibt

Die Unsicherheit springt aus den Zeilen: „Ich habe versucht, New Orleans heute um 12.30 Uhr zu verlassen. Doch nach vier Stunden Fahrt hatte ich nur 15 Meilen geschafft.“ Also ist Ernie, ein Rechtsanwalt mit eigenem Weblog, umgedreht. Mit Handykamera und Laptop will er dokumentieren, wie „Katrina“ über New Orleans herfällt.

thk/HB WASHINGTON. Ernies Seite www.ernietheattorney.net wird reichlich Klicks sammeln. Denn egal, ob Naturkatastrophe oder Terroranschlag – wer mehr erfahren will als das, was ihm die Korrespondenten der etablierten Nachrichten servieren, der sucht nach privaten Onlinejournalen von Menschen vor Ort.

Fotos liefert passend dazu Flickr.com, eine Bilderplattform, in der jeder seine Schnappschüsse veröffentlichen kann. Schon als „Katrina“ gestern Mittag die Küste erreichte, waren auf Flickr über 300 private Bilder online, die einen hatten schlicht TV-Bilder abfotografiert, andere standen sturmsehnsüchtig am Strand.

Citizen Journalists – Bürgerjournalisten – nennt man diese neue, persönliche Form des Journalismus. „Menschen am Rand des Geschehens nehmen immer stärker am Prozess des Nachrichtensammelns und -verteilens teil“, sagt Dan Gillmore, einer der Propheten des Citizen Journalism. Einen Nachteil haben die Bürgerjournalisten gegenüber den etablierten Medien: Während TV- und Radiosender Notstromaggregate und Sendeanlagen haben, brauchen Weblog-Autoren die öffentliche Infrastruktur.

Das weiß auch Uni-Dozentin Kaye Trammel. Um vier Uhr morgens notiert sie auf hurricaneupdate.blogspot.com: „Ich schreibe dies, weil ich immer noch Strom habe.“ Um acht Uhr morgens war auch der weg. Sie schrieb trotzdem noch: Das Handynetz hielt – und somit funktionierte der Blackberry.

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