Wegen Islam-Spotts
Starpianist Fazil Say verurteilt

Zehnmonatige Bewährungsstrafe für den türkischen Pianisten Fazil Say: Er hatte sich über die Vorstellungen vom muslimischen Paradies lustig gemacht. Say wirft nun Erdogan vor, verantwortlich für den Prozess zu sein.

IstanbulDer türkische Starpianist und Komponist Fazil Say ist am Montag von einem Gericht wegen Islam-Beleidigung zu einer zehnmonatigen Bewährungsstrafe verurteilt worden. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der 43-jährige die „religiösen Werte eines Teils der Bevölkerung” durch einige Mitteilungen auf dem Kurznachrichtendienst Twitter herabgesetzt habe, wie ein AFP-Korrespondent berichtete. Die Staatsanwaltschaft hatte anderthalb Jahre Haft gefordert. Say war bei der Urteilsverkündung nicht anwesend. Sein Anwalt wollte sich zunächst nicht äußern.

Bei der Prozesseröffnung im Oktober hatte Say erklärt, er habe den Islam und gläubige Muslime nicht beleidigen wollen. Auf Twitter hatte Say unter anderem mit Blick auf die Koran-Beschreibung des Paradieses als Ort, an dem Bäche von Wein fließen, die Frage gestellt: „Ist das Paradies denn eine Kneipe für euch? Ihr sagt, auf jeden Gläubigen warten zwei Jungfrauen - ist das Pardies denn ein Bordell?”

Say ist ein bekennender Atheist und ein bekannter Kritiker der religiös-konservativen Regierung von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan. In einem Fernsehinterview im Dezember hatte Say der Erdogan-Partei AKP vorgeworfen, sie stehe hinter dem Prozess.

Agentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
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