Weiberfastnacht
Sturm auf die Rathäuser

Am Donnerstag beginnt mit der Weiberfastnacht traditionell die heiße Phase des deutschen Straßenkarnevals.

HB KÖLN/DÜSSELDORF/MAINZ. In den Hochburgen Köln, Düsseldorf und Mainz wollen zehntausende Narren und Jecken um Punkt 11.11 Uhr den karnevalistischen Frohsinn einläuten. Dabei geht es zunächst den Männern an den Kragen, wenn „Wilde Wiever“ oder „Möhnen“ mit Scheren bewaffnet die Rathäuser und Chefetagen stürmen und Jagd auf Krawatten machen. Höhepunkt der tollen Tage sind die Rosenmontagszüge vor einem Millionenpublikum.

Die Kölner feiern in dieser Session unter dem Motto „Kölle un die Pänz us aller Welt“ („Köln und die Kinder aus aller Welt“). In Düsseldorf heißt es für die Narren: „Düsseldorf: Bunt wie die Welt“. Auch in Bonn-Beuel, der Wiege der Weiberfastnacht, übernehmen die Frauen am Donnerstag für einen Tag das Regiment. Die Tradition geht zurück auf das Jahr 1824: Damals hatten die Beueler Waschweiber gegen unzumutbare Arbeitsbedingungen protestiert und die Männer „in die Mangel“ genommen.

In Mainz wurden am Mittwoch die 15 Motivwagen des Mainzer Carneval-Vereins (MCV) für den diesjährigen Rosenmontagszug vorgestellt. „Es läuft alles nach Plan“, sagte Wagenbau-Chef Dieter Wenger bei der Präsentation der fast fertigen Kolosse. Auch bei dem umstrittenen Motiv des US-Präsidenten George W. Bush mit blankem Hintern, auf den CDU-Chefin Angela Merkel eilfertig zuläuft, habe es keine Abstriche gegeben.

„Satire darf alles“, sagte Zugmarschall Ady M. Schmelz zum Streit um die angeblich geschmacklose Darstellung des US-Präsidenten, der am 23. Februar in Mainz erwartet wird. „Narren haben eine Freiheit, die ist unglaublich.“ Zudem sei der nackte Hintern selbst nicht neu - das Modell sei bereits bei früheren Rosenmontagszügen eingesetzt worden, damals allerdings als Kehrseite von anderen Politikern wie etwa des früheren bayerischen CSU-Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß (CSU).

Pünktlich zum Spektakel meldeten sich auch die Karnevalsgegner zu Wort: Begleitet von einem großen Medienaufgebot demonstrierte in Aachen ein Häuflein von vier Menschen für eine Karnevalssteuer. „Karneval ist gesellschaftsschädigend, unästhetisch und unangenehm“, sagte Initiator Hartmut Heil. Der 31-Jährige kritisiert, dass die Allgemeinheit für Polizeieinsätze oder für die Stadtreinigung bezahlen müsse. Deshalb sollte nach seiner Meinung eine Steuer auf alles erhoben werden, was im Karneval Umsatz bringt. Die Reaktion der Stadt Köln und des Bundes Deutscher Karneval ließ nicht lange auf sich warten: „Darüber können wir nur lachen.“

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