Weigel hegt keinen Groll gegen die Entführer
Deutsche Geisel in Kolumbien endlich frei

Die Eltern der Deutschen Reinhilt Weigel sind über die Freilassung ihrer Tochter aus kolumbanischer Geiselhaft glücklich und erleichtert. Vier Israelis und ein Brite befinden sich indes weiter in der Gewalt des „Nationalen Befreiungsheeres“ (ELN).

HB BOGOTA/GANDERKESEE. Er habe mit dem Vater der Frau gesprochen, sagte der Bürgermeister des Heimatortes Ganderkesee bei Bremen, Gerold Sprung, am Dienstag. „Natürlich war er erleichtert und froh und hat sich mit seiner Frau gefreut.“ Weigel wolle nun so schnell wie möglich nach Europa fliegen, wo sie bereits am Mittwoch eintreffen könnte. Die 32-Jährige arbeitet im Krankenhaus des Schweizer Kantons Aargau in der Stadt Aarau.

Am Vortag war sie nach mehr als zehn Wochen in der Gewalt linker ELN-Rebellen im Norden des Landes freigelassen worden und befand sich nach Angaben des Auswärtigen Amtes in der Obhut der deutschen Botschaft in Bogotá. Zusammen mit dem ebenfalls freigelassenen Spanier Asier Huegun Etxeberría war Weigel am Montagabend in Bogotá eingetroffen. Sie hege trotz der hinter ihr liegenden Strapazen keinen Groll gegen Kolumbien, wurde sie von lokalen Medien zitiert. Außerdem sei die Sierra Nevada de Santa Marta, wo sie zusammen mit sechs weiteren Touristen am 12. September verschleppt worden war, eine sehr schöne Region.

Vier Israelis und ein Brite befanden sich indes weiter in der Gewalt des „Nationalen Befreiungsheeres“ (ELN). Sie könnten bis Weihnachten freigelassen werden, sagte der Priester Darío Echeverri, der zusammen mit anderen Kirchenvertretern in der Geiselkrise vermittelt. „Ich hoffe, dass die anderen Ausländer so schnell wie möglich freikommen und, vertraue darauf, dass das ELN sein Wort hält und sie noch vor Weihnachten freigibt“, fügte er hinzu.

Der britische Premierminister Tony Blair und der spanische Regierungschef José María Aznar begrüßten die Freilassung. Bei einer Pressekonferenz in London sagte Blair am Montagabend: „Wir wollen die Freilassung aller Geiseln und werden weiter darauf hinarbeiten.“

Weigel und Huegun waren in guter gesundheitlicher Verfassung. Sie hätten berichtet, von ihren Entführern gut behandelt worden zu sein, sagte der Menschenrechtsbeauftragte der Regierung, Vólmar Pérez. „Sie sind überglücklich, wieder in Freiheit zu sein.“

Die Rebellen vom „Nationalen Befreiungsheer“ (ELN) hatten sie am Montag einer humanitären Kommission übergeben. Zuvor war die Hauptforderung der Rebellen nach einer unabhängigen Untersuchung der Menschenrechtslage in der nur schwer zugänglichen Hochgebirgsregion der Sierra Nevada de Santa Marta erfüllt worden. Das ELN wirft der Polizei, dem Militär und vor allem den illegalen ultrarechten Paramilitärs Menschenrechtsverletzungen vor.

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